Zum Ritter geschlagen: 4scotty aus Berlin

 

Als „Ritterschlag“ bezeichnet Frank Geßner, einer der beiden Gründer des Berliner „Reverse“ Job Marktplatzes 4scotty, die frisch gebackene Kooperation zwischen dem auf IT-Themen spezialisierten Fachportal Golem.de und 4scotty.

Nach langer Suche habe sich Golem für das HR-Startup 4scotty entschieden.

Es ist sehr gut zu sehen, dass sich hier zwei Plattformen „Made in Germany“ zusammentun, um gemeinsam sowohl den Arbeitgebern, die händeringend nach IT-Fachkräften fahnden, als auch den wechselwilligen Softwareentwicklern (und davon gibt es eine Menge), die sich nach neuen Projekten umsehen, die Anbahnung eines beruflichen „Stelldichein“ zu ermöglichen.

 

Dass ich im Titel des Beitrags das „Made in Germany“ betone, hat einen Grund, denn wie wir wissen, bekommen Tech Recruiting Plattformen aus Deutschland mächtig Druck aus dem Ausland – bei oftmals ungleichen, finanziellen Bedingungen: Das aus Frankreich stammende Talent.io hat im letzten Jahr nicht nur fleißig Investment eingesammelt (2 Mio €), sondern ist nach der Übernahme von Webcrowd kürzlich auch in Deutschland gestartet.

Aus den USA drängen Hired.com auf den europäischen Markt.

 

Viel Investment und dazu gekauftes Know-how alleine machen jedoch noch lange keinen markttauglichen Player in dem heiß begehrten deutschen Online-Recruiting-Markt.

In der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt (hier sind Monster und LinkedIn Beispiele), dass auf dem deutschen Recruiting Markt nichts mit einer einheitlichen, globalen Marktstrategie zu holen ist. Wir wissen, dass der deutsche Markt anders tickt als in vielen anderen Ländern, und darauf müssen sich neue und alte Player eben einstellen.

 

Schön, dass Golem das anscheinend auch so sieht.

 

Spezialisierte Jobbörsen doch keine Garantie für Zielgruppen genaues Recruiting?

 

Jetzt will ich mir folgende Frage nicht verkneifen, denn Golem.de hat einen eigenen Online Stellenmarkt (die Anzeigen werden übrigens von Jobware produziert, und Golem.de ist damit auch Reichweitenpartner im Jobware Zielgruppenkonzept):

Wieso wurde die Kooperation mit 4scotty neben der klassischen Golem Online Jobbörse gestartet?

Ich habe mir einige mögliche Antworten dazu überlegt:

  • Die klassischen Online Stellenanzeigen generieren zwar Umsatz, aber nicht genügend Bewerber aus der IT. Um den Anforderungen der Zielgruppe gerecht zu werden, gibt es dank der 4scotty Kooperation einen ergänzenden Service.
  • Damit wird neben dem Anzeigen Umsatz eine weitere Einnahmequelle erschlossen, wenn sich gute Kandidaten vermitteln lassen – ich gehe davon aus, dass Golem eine Provision erhält, wenn ein Kandidat erfolgreich vermittelt wird.
  • Wer weiß: Da der Jobbörsenmarkt aktuell stark im Umbruch ist (siehe Verkauf von Monster und der Käufersuche für Careerbuilder) und auch Golem das merken wird, setzt man zunehmend auf weitere, neue Methoden, um die Fach-Leserschaft auch als Bewerber zu gewinnen. Es ist sinnvoll, die Mischung an Recruitingkanälen variiert zu halten.

Auf alle Fälle macht ein Reverse Job Marktplatz (also ein Stellenmarkt, bei dem sich die Arbeitgeber um Kandidaten bemühen) bei der sensiblen Zielgruppe der IT-Entwickler absolut Sinn. Denn diese sind oft wechselwillig, wenn Projekt und Gehalt stimmen; sie präferieren kurze, nicht aufwendige Bewerbungszyklen; sie sind ungern selbst aktiv auf der Suche und werden häufig mit unpassenden Jobangeboten überschüttet.

Mit 4scotty werden nur passende Jobangebote an die Bewerber weitergeleitet – klar, das behaupten alle Job-Marktplätze, die ein Kandidaten Job Matching und Job Alerts im Einsatz haben, auch. Jedoch liest und sieht man ja immer wieder, dass diese Matching Geschichten nicht immer einwandfrei funktionieren.

Bei den IT-Reverse Job Marktplätzen werden die Kandidaten jedoch stets im Vorfeld genau überprüft, es werden Gespräche geführt und Motivationen abgeklopft.

 

Über solch einen Service würden sich bestimmt auch Kandidaten freuen, die NICHT im IT-Umfeld arbeiten. Genauso die Arbeitgeber, die auch nach Mitarbeitern aus anderen Fachbereichen als der IT suchen.

Also eigentlich sollte es Reverse Job Marktplätze für alle Jobs und Bewerber geben – Online Jobbörsen, die sich sowohl mit Angebot als auch Nachfrage näher auseinandersetzen.

Das sind natürlich Aufgaben von Personalvermittlern aller Art und letzten Endes auch von der Bundesagentur für Arbeit…

Aber vielleicht übernehmen ja auch aus diesem Grunde Personaldienstleister Online Jobbörsen wie Monster?

 

Wir werden sehen.

Jetzt zuerst mal: Bravo an 4scotty und Golem und alles Gute für eine gelungene Kooperation!