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Jonas Jatsch beim 2. HR Hackathon im Idea Pitch

Gastbeitrag von Jonas Jatsch aus dem zweiten Gewinnerteam beim zweiten HR Hackathon vor einem Monat in Berlin!

 

Der Chatbot in der Wirtschaft

 

Chatbots nehmen eine immer grössere Rolle in Unternehmen ein. Meist im Kundenservice um Anfragen per Chat an den richtigen Support-Agent weiterzuleiten. Je nach Reife des Chatbots ist die Dialogqualität für einfache Abklärungen kaum von einem Gespräch mit einem echten Menschen zu unterscheiden. Letzten Endes ist das aber noch nichts anderes als eine Weiterentwicklung automatisierter Telefoniemenüs („Wenn Sie ein Passwortproblem, haben drücken Sie die 1…“)

 

Bots, Machine Learning und Natural Language Processing

 

Gleichzeitig sind Machine Learning Bots mittlerweile fähig, durch Ausprobieren komplexe Aufgaben zu bewältigen. Bei der IEEE Computational Intelligence And Games Conference im September 2016 finden AI Competitions statt, bei denen Bots lernen sollen, unter anderem den Ego-Shooter Doom oder Angry Birds zu spielen. Bei Versuchen mit einfacheren Spielen wie „Breakout“ errang der Computer innerhalb kürzester Zeit Highscores.

 

Dass die Verknüpfung von Maschinenintelligenz und Natural Language Processing ein grosses Thema für die Zukunft ist, steht für mich ausser Frage. Ist schliesslich Bestandteil aller vernünftig verfilmten Zukunftsvisionen. Mit grosser Sicherheit wird künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben auch in Dienstleistungsunternehmen übernehmen. Dass die Technologie in den Kinderschuhen steckt merkt man an den Rückschlägen. So wurde der von Microsoft entwickelte lernende Twitterbot Tay innerhalb von kurzer Zeit durch einige User zur Rassistin gemacht und vom Netz genommen.

 

Trotzdem bin ich sicher, dass die Entwicklung in rasendem Tempo weitergeht. In dem Zusammenhang auch spannend zu lesen: Das Vorwort der neuen Auflage von „The Second Machine Age“ von Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in dem die Autoren zugeben, dass ihr relativ neues Buch schon längst veraltet ist.

 

Zukunftsmusik: Bots im Recruiting?

 

Im Recruiting gibt es ebenfalls erste Bots. JOBmehappy hilft beispielsweise, über den Facebook Messenger Jobs zu finden (mehr dazu bei Persoblogger). Aber was, wenn ein Bot zukünftig das Active Sourcing übernimmt, Kandidaten anspricht und für Interessierte einen Kontakt zum Recruiter herstellt?

 

Hung Lee beim Project Pitch

Hung Lee beim Project Pitch

Nachdem ich beim zweiten HR Hackathon in Berlin für meine eigene Idee keine Mitstreiter gefunden habe, habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, die sich exakt mit diesem Thema „Chatbots als Recruiter“ auseinandergesetzt hat.

(Übrigens: VR/AR-Spezialisten, die mit mir eine Google Cardboard App fürs Onboarding entwickeln wollen sind weiterhin herzlich willkommen. Schreibt mich an!)

 

Unsere Idee entstand, nachdem Hung Lee, Gründer von workshape.io, noch eher unbestimmt mit der Idee angetreten war, Slack für das Recruiting nutzbar zu machen.

 

SlackHackHR auf dem 2. HR Hackathon in Berlin – der Bot und die Zukunft

 

Team SlackHackHR - 2- Platz beim zweiten HR Hackathon - bei der Arbeit

Team SlackHackHR – 2- Platz beim zweiten HR Hackathon – bei der Arbeit

Unter dem Namen #slackhackhr wurde also nicht nur sehr schnell ein neuer Channel im bestehenden Event Slackteam aufgemacht (wer in diesem Halbsatz nur Bahnhof verstanden hat: Slack ist eine sehr mächtige Applikation für Teamkollaboration. Vereinfacht gesagt, die Whatsapp Gruppe für professionelle Bedürfnisse, aber durch viele verfügbare Apps und Integrationen noch viel mehr. In jedem Fall eine Kommunikationsplattform mit explodierendem Nutzerwachstum und allein schon daher wichtig im Auge zu behalten. Mehr bei slack.com), sondern auch beschlossen einen Slackbot zu entwickeln, der es mindestens mit lästigen UK-Recruitern aufnehmen kann (No offense, in case you are reading this 😉 .

 

Wie funktioniert das Ganze also? Stell Dir vor Du bist auf der Suche nach einem Frontendentwickler. Jetzt wühlst Du Dich nicht mehr selbst durch verschiedenste Netzwerke, Datenbanken und Suchmaschinen sondern startest auf deinem Smartphone Slack und nimmst Kontakt zum Bot auf. Du schilderst dem Bot kurz dein Anliegen („Hi @slackhackhr , ich suche einen Softwareentwickler, der Frontend kann.“). Der Bot stellt Dir ein paar Fragen, um Deine Suche einzuschränken (und liest sich Deine Stellenanzeige durch, falls Du so etwas Altmodisches noch hast) und macht sich dann auf den Weg passende Profile zu suchen. Da er ein Bot ist, tut er das sehr schnell und an vielen Orten gleichzeitig. Zugegeben, da ist er klar im Vorteil, Big Data in Reinkultur!

 

Genauso schnell und gleichzeitig fängt der Bot an, passende Kandidaten über verschiedene Kanäle zu kontaktieren und Interesse abzuklopfen, beantwortet erste Fragen zu Job und Unternehmen, analysiert Code Snippets bei Github, macht ein Kurzinterview und lädt Kandidaten in einen privaten Slack Chat mit dem Recruiter ein. Ab hier übernimmt der Mensch, der gleichzeitig ein aggregiertes Kandidatenprofil mit einer ersten Einschätzung durch den Bot erhält.

 

Mit der richtigen Datenbank im Hintergrund merkt sich der Bot auch ein „Kein Interesse!“ und lernt, gezielt zu agieren, ohne immer die gleichen Kandidaten anzusprechen. Ausserdem kann der Bot auch selbst in Slack Channels eingeladen werden und schlägt dort Bewerbern auf der Suche passende Jobs vor.

 

It’s a brave new HR-Bot-World?

 

Der SlackHackHR Chatbot in AKtion

Der SlackHackHR Chatbot in Aktion

Schöne neue Recruiterwelt oder Horrorvision? Meiner Meinung nach eher Ersteres. Die Recruiterrolle erhält hierdurch nur einen anderen Schwerpunkt. Weg vom lästigen Sourcing, hin zum eigentlich herausfordernden Teil, dem Candidate Relationship Management. Endlich Zeit, bestehende „heiße“ Kontakte zu pflegen, weniger Frustration durch Misserfolge und mehr Möglichkeit zu echter Beratung im Recruiting Prozess.

 

Aber wollen Professionals überhaupt von Bots angesprochen werden? Auf den ersten Blick wirkt es immer verstörend, so etwas Grundsätzliches wie einen Jobwechsel nicht mit einem echten Menschen zu besprechen. Aber auf den zweiten Blick? Der Bot ist verschwiegen, kennt keine Vorurteile, akzeptiert ein „Nein“, lernt aus Konversationen und kann eventuell sogar Indikatoren für den Grad der aktuellen Wechselwilligkeit interpretieren. Das bedingt selbstverständlich, dass der Bot natürlich und kompetent rüberkommt und es Spass macht, sich mit ihm zu unterhalten.

 

Natürlich kann man in den zwei Tagen eines Hackathons nur einen Bruchteil davon erreichen. Aber wir haben mit unserem Prototypen immerhin einen kleinen Einblick geben können, wo die Reise hingehen kann. Wir konnten zwei Konversationen mit dem Bot, eine aus Recruiter-, eine aus Bewerbersicht live im offiziellen HR-Hackathon Slack Channel an die Wand werfen, inklusive Präsentation der „Shortlist“ an den Recruiter.

 

Egal, wie es damit weitergeht, wir haben ein Stück Recruiting-Zukunft gestaltet.

Die Vision und ein erster Prototyp sind da. Und ein grandioser zweiter Platz beim HR Hackathon 2016!

 

Glückwünsche an den verdienten Sieger arbeitszeugnis.io, die gleich eine nahezu marktfähige App zusammengeschraubt haben, die hoffentlich schon bald für iOs und Android verfügbar ist.