Die virtuelle Tinte des Monsters-neue-Produktstrategie-Posts ist noch annähernd wässrig, da meldet sich LinkedIn mit einer Neuerung an: Das Produkt „Limited Listings“ geht ab 02.06. an den Start; zunächst ausschließlich in den und für die USA. Diese Job-Listings ähneln im Groben dem neu geplanten CPC-Modell von Monster Anzeigen…

Was sind LinkedIn’s Limited Listings (nette Alliteration, und auch marketing-technisch gut gewählt, denn wer möchte schon seine Anzeigen in der „limited version“ wissen):

These job listings, called “limited listings,” will be sourced from some U.S.-based companies’ career sites and applicant tracking systems using technology we acquired when we bought Bright in February. We will only add job listings to LinkedIn from companies that allow them to be aggregated.

LinkedIn füllt also die bestehenden, bezahlten Stellenangebote (paid Jobs) mit aggregierten, im Web aufgespürten, Anzeigen auf. Damit fungiert LinkedIn wie eine Jobsuchmaschine mit Premium und organischen Jobanzeigen. Die „paid Listings“ tauchen vor den Augen aller potenziellen Kandidaten – vor allem den begehrten passiven Kandidaten, die immerhin 75 Prozent der Arbeitnehmerschaft ausmachen – auf, und zwar hier und so:

That’s because we use algorithms to automatically place your Job Slots and Job Posts in front of the most relevant members in various places — like the „Jobs You May Be Interested In“ homepage module and email, in the LinkedIn desktop feed, in our iOS and Android mobile app feeds, and on a company’s Career Page.

Für all diejenigen, die glauben, dass sich Monster und LinkedIn mit den Gratis-Anzeigen ihre Umsätze und damit sich selbst wegrationalisieren, haben sich – davon gehe ich aus – geschnitten. Auch mit Cost per Click Anzeigen lässt sich gutes Geld verdienen: Google ist das beste Beispiel dafür, indeed ist auch ein gutes.

Nein, nein, was wir hier sehen, ist die graduelle Veränderung der Jobportal-Landschaft und des (Online) Recruiting generell: Jobbörsen und Jobsuchmaschinen nähern sich an, die Business-Modelle verschmelzen. Diese Entwicklung ist unvermeidlich. Je flexibler und agiler Jobportale auf die Marktgegebenheiten reagieren, umso eher werden sie in Zukunft weiter bestehen.

Bedrohungen für Jobbörsen und Recruiting Anbieter gibt es schließlich jede Menge, und die Blitzgeschwindigkeit, mit der Technologien und Standards im Netz bereits morgen schon wieder veraltet sind, verlangt allen Marktteilnehmern viel ab. Konstante Wissens- und Informationsbeschaffung sowie Marktbeobachtung sind hier entscheidend.

brueckeDas mit dem CPC-Modell oder auch das Aggregieren von Jobs über Websites ist für Jobbörsen eigentlich nichts Neues, wurde bisher aber kaum konsequent oder durchdacht umgesetzt: Ich denke hier beispielsweise an XING, bei dem Kunden seit 2007 Anzeigen mittels CPC ínserieren können. Heute kostet so ein Klick übrigens 85 Cent, wo man 2007 noch mit 49 Cent gestartet war (lustig ist mein Kommentar damals bei Marcus zu CPC und Jobbörsen… einiges sehe ich heute auch anders, aber da sind wir ja wieder beim Thema flexible Denkweisen und Marktanpassungen…).

XING „aggregiert“, naja, füllt eher Anzeigen auf, für die auf XING keine Ergebnisse existieren. Dafür besteht die Kooperation mit kimeta seit geraumer Zeit.

Vor 2 Jahren haben die Briten von der erst aktuell gänzlich zerfallenen Evenbase Gruppe ihre Jobbörsen-Marke Jobsite in den USA gestartet (diese ist übrigens nicht mehr operativ). Jobsite.com lief damals als Jobsuchmaschine, was auch mit dem damals gekauften Jobrapido zu tun hatte.

Wie dem auch sei, die Karten mischen sich neu, die Jobportal-Anbieter werden auf Dauer „schlanker“ werden müssen, um in die neue Recruiting-Welt zu passen. Nicht zuletzt deshalb, da bestimmte Unternehmen beginnen, ihre Prozesse komplett umzukrempeln. Keine Jobanzeigen mehr zu schalten kann für einige Firmen eine Lösung sein, wobei ich darauf dränge, genau dieses Beispiel NICHT als Best Practice (Best Practice Beispiele verhindern gute HR-Arbeit) anzusehen, sondern es differenziert zu betrachten, wie Tim Sackett hier beschreibt. Behalten Sie stets im Hinterkopf: „You are not Zappos“ (tauschen Sie den Firmennamen Zappos gerne gegen jeden beliebigen anderen Unternehmensnamen aus).

Active Sourcing, also die direkte Ansprache von potenziell passenden Kandidaten, kann ein anderer Prozess sein, der HR und Recruiting nachhaltig verändert. Auf jeden Fall findet ein Umdenken statt, HR denkt häufiger „erfolgsbasiert“, was gut ist.

Zum Schluss nochmals kurz zurück zu LinkedIn und den zukünftig aggregierten Jobs: Angeblich ist nicht geplant, diese Jobs durch bezahlte Premium-Produkte aufzuwerten. Wer’s glaubt…
Interessant wird es, wenn LinkedIn irgendwann auch mal Jobs in Deutschland im Netz sammelt und aktiv suchenden Kandidaten vor die Nase setzt. In den USA fühlt sich LinkedIn mit dem neuen Produkt einen Schritt weiter in der Abbildung des „Economic Graph„, was das erklärte Ziel des internationalen Business Netzwerks ist. Neben der Tatsache, den wichtigsten Business-Content zu liefern.

Ich meine, wenn das irgendwann alle mit dem CPC machen, dann braucht niemand mehr irgendwelche Jobportale, nur noch Crawler… oder Google.

Alles CPC, oder was?