Anfang des Jahres rief Joachim Diercks von CyQuest uns HR-Blogger zu einer Blogparade zum Thema Berufsorientierung aus.

Kein Wunder, immerhin hatten CyQuest den Studien-Interessentest SIT im Auftrag der Hochschulrektorenkonferenz und ZEIT Online entwickelt und im Januar gestartet. Mittlerweile haben dort mehr als 100.000 Teilnehmer ihre Interessen getestet.

Bei meiner täglichen Lektüre der Branchennews kam ich auf den Artikel, in dem CyQuests SIT kurz beschrieben wurde. Meine erste Reaktion war diese:

Generell mag ich keine Tests, die mir sagen, wer oder wie ich bin, was ich tun kann oder soll. Auch Tools, die mit Algorithmen und irgendwelchen Hoch- oder Wahrscheinlichkeitsrechnungen meine (berufliche) Zukunft voraussagen beäuge ich kritisch.

Wichtige Entscheidungen darf man keiner Maschine überlassen, sondern muss das ausschließlich mit sich selbst abklären.

Das Tool von CyQuest scheint jedoch auf feinere Fragen und Sachlagen einzugehen (werde das selbst mal testen und auch testen lassen von der Zielgruppe), sodass ich es wirklich für sinnvoll halte für einen ersten Überblick.

Dann kommt das „Fine-Tuning“, also die Arbeit im stillen Kämmerlein, wo man Revue passieren lässt, welche Tätigkeiten das Herz höher schlagen und brennen lassen. Das gibt Orientierung. Dann im Austausch mit anderen die Außenwahrnehmung eruieren.

Generell halte ich es für gut, sehr viele verschiedene Tätigkeiten und Aktivitäten auszuprobieren, um die eigenen Fähigkeiten herauszufordern auch herauszukitzeln.

Als Jugendliche hatte ich die Gelegenheit – streckenweise war es finanziell nötig, wobei ich kaum eine dieser Erfahrungen in meinem etwas anderen „Lebenslauf“ missen möchte – vielen Aktivitäten, (Ferien-) Jobs und Tätigkeiten sowie einigen Hobbies nachzugehen.

So war ich Herausgeberin, Chefredakteurin und Vertriebsleiterin der von mir gegründeten Mini-Zeitung, welche ich an meine Klassenkameraden verkauft habe. Die Einnahmen habe ich in Papier, Schreibmaschinenbänder (ja, das ist schon lange her…) und Kopierkosten reinvestiert und habe dabei noch Gewinn gemacht.

Ich habe in so einigen Supermärkten Inventur gemacht und dabei Erbsen, Bohnen, Linsen und vieles mehr gezählt, sogar auch mal Karabinerhaken und Seilrollen!

In zwei Sommern habe ich mir Finger kaputt geschunden, weil wir vier verschiedene Küchensiebsorten mit einem Gummiband zusammenbinden sollten, diese in Kartons packen und dann auf Paletten gestapelt durch die Produktionshallen kutschieren mussten.

Als (Ober-) Ministrantin habe ich Dienstpläne gemacht, für die Urlaubsplanung gesorgt, Freizeiten, Gottesdienste und Fahrten nach Rom und anderswo organisiert. In der Firmkatechese habe ich mich auch mal versucht, aber das war nicht so doll… Mein Highlight war hier eher, dass ich als junges Mädel zwei Mal eine Predigt zur offiziellen Messezeit gehalten habe!

In einer Tisch- und Stuhlfabrik habe ich Metalltischbeine mit Möbelpolitur geputzt, alle möglichen Sorten an Stühlen durch die Gegend geschleppt, Löcher im Holz mit Wachs gestopft, in der Polsterei mit Sicherheit einiges Ungutes eingeatmet, Filzstopper unten an Stuhlbeine gehämmert und vieles mehr (ich war öfters dort).

speedzone-bikeDie ganze Zeit über – zwischen meinem 15. und 19. Lebensjahr – habe ich wöchentlich 2 bis 3 Mal Prospekte verteilt, teilweise auch Magazine und Zeitschriften, für die ich Geld eintreiben musste. Bei Wind und Wetter.

Während meiner Studienzeit habe ich bei McDonald’s Burger verkauft, ein Praktikum bei der Zeitung gemacht, war 4 Wochen Aushilfssekretärin und bin schließlich bei PeopleSoft in der Übersetzungsabteilung gelandet – als Grafikaushilfe.

Nicht zu vergessen, mein Aufenthalt in London nach dem Abitur, wo ich in 2 Hotels gearbeitet habe.

Und dann kam Lyon – dazu aber vielleicht ein ander Mal mehr.

Jetzt, aus der Entfernung betrachtet, sehe ich einige Entwicklungen, die mich genau dorthin geführt haben, wo ich heute beruflich stehe. Berufsorientierung ist ein lebenslanger Prozess, genauso wie das lebenslange Lernen zum Berufsleben gehört.

Das Lustige dabei: Das Studienfach hat mit der letztendlichen Berufswahl oder dem Berufsweg nicht zwingend etwas zu tun.
Aber das ist auch gut so.

Und das ist genau das, wo Maschinen, Rechner und Algorithmen an ihre Grenzen stoßen: Das Leben und Berufsleben, genauso wie die Arbeitsweise lassen sich nicht zuverlässig voraussagen. Deshalb kannn ich mit vielen neuen Arbeitsmodellen der Zukunft, die auf Dauer-Beobachtung von Mitarbeitern und das Voraussagen von Leistungsfähigkeit-Entwicklung nichts anfangen.

Und Sie? Wie sind Sie auf Ihren Karriereweg gekommen und machen Sie wirklich das, wofür Sie bestimmt sind? Macht die Arbeit Spaß?

Ich hoffe es!