Guter Schachzug: Nachdem die Hubert Burda Media seit 2009 bereits 29,43 Prozent am deutschen Marktführer der Business Netzwerke hielt, wurde vergangenen Freitag um 9,5 Prozent nachgelegt (40,44 € pro Aktie). Zu einem besonders grosßzügigen Aktienpreis von 44 Euro plant Burda nun die Übernahme der verbleibenden XING-Aktien durch die 100 prozentige Tochter Burda Digital Media GmbH, die in München angesiedelt ist. Die Aktienmärkte begrüßten diesen Schritt und ließen die XING-Aktie auf genau 44 Euro ansteigen, was einem Anstieg von 18 Prozent entspricht.

Damit, so heißt es in einigen Medienberichten, mache Burda einbrechende Printumsätze wett:

Ähnlich wie Axel Springer baut der Münchener Konzern sein Internetgeschäft seit Jahren aus, um die erodierenden Printumsätze aufzufangen.

Seit 2010 hat Burda (wie viele andere traditionelle Medienhäuser auch) mehr dank der digitalen Sparten verdient als mit dem klassischen Printgeschäft. 2011 hat das globale Online Advertising mehr Umsatz erzielt als Print-Advertising mit einem klaren Trend hin zu noch mehr Online Ad-Spending in der Zukunft.

Aber auch XING kann sich freuen: Gute Zahlen in jeder Hinsicht (vor allem im DACH-Zielmarkt), das neue Recruiter-Tool XING Talent Manager oder der XING-Connector zeigen, wohin die Reise geht. Dank der Burda Übernahme kommt hier frisches Kapital in die Bude, um technologisch weiter voran zu schreiten.

Damit wird auch mehr Gas gegeben, um es dem blauen Wettbewerber aus den USA so richtig eiskalt den Rücken herunterlaufen zu lassen. Aber was rede ich da… die Amis wird das „kleine“ und in weiter Ferne liegende XING mit „nur“ 12,4 Millionen Mitgliedern (LinkedIn hat ca. 175 Millionen weltweit) ziemlich kalt lassen. Am 1. November werden sehr gute Zahlen aus Mountain View verkündet werden – man erwartet vor allem gute Earnings aus mobiler Werbung (hört, hört!). Also ist doch dieser kleine und unscheinbare DACH-Markt für den blauen Riesen nicht wirklich wichtig. Das merkt man ja auch daran, dass LinkedIn nach wie vor Null Marketing macht, um neue Mitglieder in dieser Region zu gewinnen und dass das deutsche Team ausschließlich Hiring Solutions verkaufen soll. Aber wer bitte kauft denn eine schöne und teure Company Page, wenn sie sich kein Mensch anguckt oder wer möchte das Recruiter-Tool nutzen, wenn dort keine passenden Kandidaten sind?

Momentan geht es LinkedIn in den USA eben einfach zu gut, als dass es sich tatsächlich um Europa, insbesondere um die DACH-Region zu scheren bräuchte. Diese DACH-Region hat sowieso immer andere Ansprüche und Anforderungen, die mit denen der Amis nicht zusammenpassen. Also unpraktisch. Und so lange der (Rentabilitäts-) Schuh nicht tatsächlich drückt und der heimische Markt sowie ähnlich funktionierende Märkte genügend abwerfen, why bother? Dann aber bitte nicht in 2-5 Jahren heulend ankriechen und auf dem DACH-Team rumhacken und behaupten, dass sie nichts geleistet hätten. Ich glaube, die würden gerne mehr machen, wenn sie die entsprechenden Mittel und Werkzeuge zur Verfügung gestellt bekämen. Aber wer weiß, ob es dieses Team in 2-3 Jahren noch gibt…

Jedenfalls wird LinkedIn nun XING nicht mehr übernehmen, aber das stand in der Vergangenheit sowieso nie wirklich zur Debatte, denke ich – könnte aber noch kommen, wenn sich die Amis eines Tages entschließen, Tabula rasa zu machen.

Und damit zurück zu XING und Burda: schöne Sache, ich freue mich auf weitere Neuigkeiten aus der München-Offenburg-Hamburg-Achse und wünsche viel Erfolg, auch bei dem kürzlich angekündigten neuen und absolut unkäuflichen Arbeitgeber Ranking „Deutschland sucht den besten Arbeitgeber“.