Liebe Online-Recruiting-Welt, die Todgeweihten grüßen Dich! Aber das mit dem „todgeweiht“ ist ja schon eine Weile Vergangenheit.

Totgesagte leben länger, und im Falle Monster trifft dies in besonderem Maße zu: krisengeschüttelt, seit 2008 (?) auf vergeblicher Käufersuche, regelmäßige Standort-Schließungen, viele Entlassungen, internationale Verkäufe von Jobbörsen (Korea und China, zum Beispiel) und ein Joint Venture mit Alma Media, kündigte Monster Worldwide vor kurzem an, am 14.05.2014 die neue, bahnbrechende Monster-Strategie zu präsentieren.

Gestern war es also soweit, und ich muss sagen: Hut ab, Chapeau! Ich bin begeistert! WIRKLICH!

Natürlich sieht das in einer wunderschönen CI-durchtränkten Präsentation immer gut aus, und ob und wie sich die neuen Maßnahmen sowohl auf das Unternehmensergebnis als auch auf den Erfolg für rekrutierende Unternehmen UND Jobsucher auswirken werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber die Ideen und Strategien haben Hand und Fuß und tun endlich das, was an diesem Markt so dringend notwendig ist: sinnvoll konsolidieren – wobei ich damit die technologische und Produkt-Seite meine.

Die Anleger scheint das auch zu freuen, denn der Aktienkurs ist seit gestern nachmittag um mehr als 3 Prozent gestiegen!

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Im Einzelnen sieht das Konzept erst einmal so aus:

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Reach:
Das Stellenanzeigen Produkt und dessen Verbreitung ist in mehrfacher Hinsicht skalierbar. Die bekannten „Post & Pray“ Produkte, also klassisches Job-Posting, – welche, so nebenbei bemerkt, noch ganz schön viel Kohle abwerfen und Prognosen dafür noch weiterhin Wachstum sehen – bleiben erhalten. Auch die plattformübergreifende Verbreitung per CAN-Units gibt es noch.

Wo es spannend wird, ist die Aussage, dass Jobs zukünftig sowohl aus traditionellen als auch von „social“ Quellen aggregiert werden sollen. Monster nähert sich also dem Jobsuchmaschinen-Modell an. Woraus die „traditionellen“ und „social“ Quellen bestehen, wird nicht im Detail erwähnt. Bei den traditionellen Plattformen frage ich mich natürlich, ob diese auch andere kommerzielle Jobbörsen oder Jobportale wie indeed enthalten. A propos indeed: Dieses neue Job-Anzeigen-Modell ist natürlich ein direkter Affront an indeed, vor allem in den USA. Interessantes Duell!

Das Geschäftsmodell für die neuen, aggregierten Jobs klingt ebenfalls gut: kostenfreie Veröffentlichung möglich mit Upsell-Produkten -> Hallo Freemium! CPC wird also demnächst auch von Monster vorangetrieben.

Aber damit nicht genug: Jobs werden auch über soziale Netzwerke weiter verbreitet. Hier kommt Gozaik ins Spiel. Kunden werden auch über Twitter-Cards mehr Reichweite kaufen können.

Connections:
Hier geht es um die Einbindung u.a. von TalentBin, denn damit werden Online Kandidatenprofile auch außerhalb der eigenen Lebenslaufdatenbank gefunden.
Gleichzeitig können Jobs, die ja dann sowieso schon bei Monster auf der Plattform herumschwirren, mit aus dem Web aggregierten Lebensläufen zusammengebracht werden – ein CV-Matching sozusagen. Monsters semantische Technologie wird hier bestimmt auch eine Rolle spielen.

Dadurch sind dem Active „Stalking“ (Ausdruck stammt von einem meiner Kunden -> find ich klasse!) beinahe keine Grenzen mehr gesetzt. Aber, was noch viel wichtiger ist: LinkedIn bekommt hier auch mächtig eins vor den Latz, denn die Monster-TalentBin-Profile sind netzwerkunabhängig. Das war dann der zweite Streich, um den meist gefürchteten Jobbörsen-Bedrohungen Paroli zu bieten; auch Craigslist in den USA bekommt etwas Feuer unter die Haube. Tolle Sache.

Nebenbei bemerkt: Alles, was Monster so treiben wird, findet selbstverständlich auch mobile-optimiert statt.

Solutions:
Ebenfalls interessant ist das Konzept der Talent-Solutions. Auch wenn das bei der Präsentation noch etwas schwammig klang – lag eventuell auch an dem Genuschel des Redners – sehe ich vor meinem geistigen Auge ein ATS, das so einiges kann, das sich zwischen Job-Posting, plattformunabhängige Reichweitenverlängerung, Social Sourcing und Bewerbermanagementsystem bewegt…

Fazit:
Runde, sehr runde Sache. Wenn Monster das gut umsetzt, werde ich jedem, der nochmal behauptet, Jobbörsen wären tot, persönlich einen Tritt in den Allerwertesten verpassen!

Das Potenzial, Vieles richtig (aber auch falsch) zu machen, ist gegeben. Die Zeit wird zeigen, wie Monster es sich zunutze macht.

Was den deutschsprachigen Markt betrifft, wird sich StepStone warm anziehen müssen. Gerade kürzlich las oder hörte ich, dass man mit einem großen Marketing- und Akquisitionsbudget zwar eine Menge machen kann. Aber nur wirkliche Innovationen werden auf Dauer den Wettbewerbsvorteil bringen. Auf der Innovationsseite sehe ich bei StepStone leider sehr wenig.

Nun ja, es bleibt noch ein wenig Zeit: Die neuen Monster-Produkte werden im Juli in den USA ausgerollt, in Europa einige Wochen später.

Monster ist aus der Krise wieder auferstanden und schlägt zurück. Wozu so manche Krise doch manchmal dienen kann…
Das letzte Wort ist dazu noch nicht gesprochen – jedenfalls nicht von meiner Seite aus. Bleiben Sie dran!

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