Noch gar nicht so lange vorbei sind die Zeiten, in denen über den Verkauf von Monster Worldwide in Summe, Gesamt- oder Einzelteilen spekuliert wurde.

Seit Anfang 2014 laufen die Dinge aber anders, denn zunächst werden TalentBin und Gozaik übernommen, dann neue Produktankündigungen angekündigt, welche dann Mitte Mai tatsächlich auch angekündigt werden.

Hierbei meines Erachtens besonders interessant: das Aggregieren von Jobs im Sinne einer Jobsuchmaschine.

Im Juli 2014 startet der Product-Rollout in den USA – den Börsenwerten konnte das bisher weder sonderlich Gutes noch Schlechtes anhaben. Nach dem relativen Hoch Mitte Juli bei Ankündigung der neuen Strategie hat sich nicht mehr viel getan. Auch die Zahlen aus dem zweiten Börsenquartal waren etwas schwächer als im Vorjahr.

Aber lassen wir das doch alles noch ein wenig wirken und warten bis Ende des Jahres und das erste Quartal 2015 ab!

Seit Oktober wird die neue Produktstrategie sukzessive in Europa ausgerollt: In fast allen europäischen Ländern startet der Launch am 01.10. Nur Deutschland hinkt ein wenig hinterher, sodass wir erst heute darüber berichten können. Ich nehme an, das hängt mit dem Nationalfeiertag am 03.10. zusammen.

Allerdings haben sich die Monster PR-Leute einiges einfallen lassen, um Branchen-Influencer über Twitter am Produkt-Launch Countdown teilhaben zu lassen. Hier das Beispiel von gestern (die Aktion startete bereits am 01.10.):

Die Strategie bzw. die gelaunchten Produkte sind auch in Deutschland die gleichen wie in den USA und anderswo. Mehr dazu weiter unten im Text.

Zur Erinnerung: Monster stellt sich produkt-strategisch folgendermaßen auf:

monster-new-strategy-reach-connections-solutions

Und hier sind sie, die neuen Produkte im Überblick – sie richten sich überwiegend an KMU, was im Verlauf der Beschreibung schnell deutlich wird:

1. TalentBin by Monster – Active Sourcing nach IT-Profilen
TalentBin ist ein so genannter „People Aggregator“. Das bedeutet, dass jegliche Daten, die über eine bestimmte Person über das öffentlich zugängliche Netz auffindbar sind, zu einem Personenprofil zusammengestellt werden. Diese Profile sind über TalentBin einsehbar.

Nach Möglichkeit werden die Profile mit Kontaktdaten angereichert, soweit diese vorhanden sind. Über Monsters semantische Technologie (6Sense) werden die Daten, vor allem die Fähigkeiten und Kenntnisse (Stichwort: Skills) strukturiert und normalisiert.

Aktuell sind über 115 Millionen Datensätze in der Datenbank zu finden. Wie viele davon aus Deutschland sind, hat mir Monster leider nicht verraten. Der weltweite Fokus stünde hier im Vordergrund. Weiterhin handelt es sich vor allem um IT-Profile, was zu Zeiten von IT-Spezialisten-Knappheit eine gute Sache ist.

2. Monster Twitter Cards
Twitter Cards sind eine schöne Möglichkeit, Tweets inhaltlich und grafisch aufzuwerten, um sich damit von der Masse der Tweets in einer Timeline abzuheben. Allerdings werden die Cards außerhalb von Twitter selbst, z.B. in Social Media Dashboards wie Hootsuite, leider nicht angezeigt.

Twitter Cards selbst zu beantragen, sie anzulegen, zu bearbeiten und zu verbreiten, ist alles andere als Hexenwerk. Die Freischaltung seitens Twitter nimmt nur wenige Stunden bzw. Tage in Anspruch. Danach gibt es je nach Content Management System der Website oder des Blogs Plugins, um diese recht einfach zu verwalten.

Tweet-Terminierung
Dennoch ist es natürlich praktisch, wenn man als Unternehmen Jobs, die sowieso auf Monster veröffentlicht werden, über Twitter aufgehübscht versenden kann.

Bis zu zehn Jobs können auf diese Weise pro Werktag während eines Zeitfensters von 8-19h gezwitschert werden, anscheinend jeweils zur vollen Stunde (s. Screenshot).

Die Auswahl der Jobs richtet sich nach den online verfügbaren Jobs auf Monster, die neuesten werden dabei bevorzugt behandelt.
Hier ebenfalls ein besonderes Merkmal: Unternehmen könen sowohl Gehalt als auch Standort Informationen anfügen -> ich wette, dass solche Tweets sehr gut laufen werden – vorausgesetzt das Gehalt stimmt.

Grafik: Ein Tweet samt ausgeklappter Twitter Card

twitter_card_plain

3. Monster Talent CRM
Bei diesem Produkt hatte ich mehr auf ein Bewerbermanagementsystem spekuliert. Und auch wenn das Talent CRM einem solchen System nahe kommt, ist es eine Plattform, die allenfalls für KMU interessant sein wird. Aber das ist ja auch Monsters Absicht.

Das Talent CRM (Candidate Relation Management anstelle von Customer Relation Management -> aber Kandidaten sind ja auch irgendwie Kunden) fungiert als Schnittstelle zur Lebenslaufdatenbank, obwohl ich davon ausgehe, dass reine Anzeigenkunden ohne Lebenslaufdatenbank Zugang das Tool genauso verwenden können (Update folgt).

Hier verwalten Recruiter Bewerbungen, die Kommunikation mit potenziellen Kandidaten und Anfragen von Bewerbern.
Die Krux: Wer seine Anzeigen außer bei Monster noch anderswo schaltet, muss sich in verschiedene Systeme einloggen und riskiert, den Überblick zu verlieren.
Da gibt es ja inzwischen auch einige Job-Posting-Agenturen, die mit Bewerbermanagement Lösungen für ihre Kunden arbeiten. Erscheint mir sinnvoller.
Oder eine Open Source Solution für den Hausbedarf.

4. Monster Karriereseite
Eigene Firmen Karriereseite, entweder selbst oder bei Monster gehostet. Bieten einige andere Jobbörsen auch an. Die Frage ist, ob man das als Unternehmen nicht lieber im eigenen Hause lässt. Wobei: In einigen (kleineren) Firmen wird die Personalabteilung häufig von der IT oder der Geschäftsführung gedisst… Oder wie auch immer. Jedenfalls scheinen hier Kommunikations- und Prioritäts Erkennensschwierigkeiten vorzuherrschen, was eine Fremdhosten des eigenen Karriereauftritts durchaus rechtfertigt.

Übrigens scheint dieses Produkt gesondert für Deutschland hervorgehoben zu werden – in den Pressemittteilungen der anderen Länder findet sich dieses Produkt nicht.

5. Job Aggregation – Monsters Worldwide Talent Distribution
Oh nein, halt! Das taucht bisher nirgends auf. Nein, der Aspekt Job Aggregation scheint für den ersten (!) Produktlaunch von Monster noch keine Rolle zu spielen.
Dabei ist LinkedIn übrigens schon einen Schritt weiter: Die Jobs werden nämlich seit September weltweit eingesammelt und ausgespielt.

Da kommt also noch was – wann?

Ja, das neue Logo und der neue Claim – aber so neu sind die gar nicht mehr, da schon eine Weile in Gebrauch.

Daher passend zum Schluss das Zitat von Wilhelm Busch’s Max & Moritz: „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.“

Was meinen Sie zu den neuen Monster Produkten?
Revolutionär, gut für den deutschen Markt, praktikabel in unseren Breiten, zu amerikanisch, zu wenig ausgereift?
Welches der Produkte würde Sie am ehesten reizen?

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Bild Credits (Featured and Twitter Card and Social Media): floeschle, Image: Megaphon – License BY 2.0