Verkehrte Welt? Während der so genannte „Virtuelle Arbeitsmarkt“ vor zehn Jahren in Deutschland für mächtig Wirbel und Ärger bei den privaten, kommerziellen Jobbörsen sorgte, wird genau in diesen Tagen in Frankreich solch ein Modell eingeführt.

Da die staatliche Jobbörse des französischen Arbeitsamtes, Pôle Emploi, lediglich 38 Prozent des Arbeitsmarkts darstellt, monatlich jedoch von über 6 Millionen Besuchern aufgesucht wird, hat die französische Arbeitsagentur einen Projektaufruf gestartet und einige der heimischen Jobbörsen als offizielle Partner ausgewählt. Das erklärte Ziel: den „versteckten“ Arbeitsmarkt aufdecken (obwohl der eben auch nicht zwingend bei den Online-Stellenbörsen zu finden ist, sondern in Frankreich noch viel mehr als sonstwo in persönlichen Netzwerken kursiert…) und das Image der Pôle-Emploi-Jobbörse bei Unternehmen und Recruitern aufmöbeln. Mit dem steht es nämlich trotz hoher Zugriffszahlen ähnlich wie in Deutschland und vielen anderen Ländern nicht besonders gut.

Kürzlich wurde also die Jobbörsen-Auswahl gekürt. Zu den 8 glücklichen Gewinnern zählen:

  1. Keljob, Teil von FigaroClassifieds
  2. Météojob – der Beitrag ist schon etwas älter, zeigt aber die Funktionsweise auf
  3. Multiposting-Work4 – mehr Infos zu Work4Labs gibt es hier und hier (vor allem für Social Recruiting Interessierte wichtig)
  4. StepStone
  5. Der regionale Marktführer Régionsjob
  6. Business-Netzwerk Viadeo (das XING Frankreichs sozusagen)
  7. Qapa – hier eine ausführliche Beschreibung in deutscher Sprache
  8. Die Jobsuchmaschine JobiJoba fungiert als technischer Dienstleister, um die Jobs zu aggregieren

Bei dem Unterfangen, einen Anbieter zu gewinnen, der den automatischen Nutzerprofil-Import erlaubt, haben sich die französischen Player jedoch dezent verabschiedet: vor allem das Netzwerk Viadeo und die Online-CV-Plattform DoYouBuzz haben sich hier rar gemacht. Ich nehme an, dass sie ihren Serverplatz nicht mit Millionen von Lebensläufen Arbeitsloser (und von denen gibt es in Frankreich zur Zeit eine ganze Menge) füllen möchten.

Dennoch ist es merkwürdig, dass einige namhafte Jobbörsen dem Projektaufruf von Pôle Emploi gefolgt sind und zukünftig ihre Jobs der staatlichen Stellenbörse zur Verfügung stellen. Die Weiterverbreitung der Stellenangebote auf Pôle Emploi ist für die inserierenden Jobbörsen-Kunden kostenfrei und erspart ihnen damit das lästige Text-Einpflegen in das noch lästigere Anzeigen-Tool, das so manche unschöne Tücken aufweist – so stellt es z.B. Anzeigen nach 1 oder 2 Tagen ohne erkennbaren Grund offline…
Andererseits ist diese Kooperation eine technische Herausforderung, da Textanzeigen bei Pôle Emploi häufig in Zeichenanzahl stark begrenzt sind – von ausführlicher Tätigkeitsbeschreibung oder gar Arbeitgeberpräsentation recht wenig Spur. Da muss noch getrickst werden.

Schließlich bleibt die Frage, ob Stellenanzeigen, die bei Pôle Emploi gepostet werden, auch automatisch und damit kostenfrei bei den kommerziellen Anbietern gespiegelt werden.

Ich fürchte, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen 😉