Seit einiger Zeit schon beobachte ich auf dem Blog von Holländer Marc Drees, wie sich die Jobbörsen Landschaft in den Niederlanden in den letzten beiden Jahren zusehends verändert hat. 2009 und 2010 wurden die so genannten „Freemium„-Jobbörsen gelauncht, allen voran Banenmatch und dann Jobselectie. Mit der Zeit konnten diese kostenfreien und auf Premium-Bezahl-Services basierenden Stellenbörsen den großen Generalisten, die auf dem Pay-to-post-Modell beruhen, mächtig den Rang ablaufen.

Letztes Jahr schob dann der Gründer von der ehemals Nr. 1-Jobbörse nationalevacaturebank, Jan-Peter Cruiming, die Freemium Jobbörse JobBird nach, die ihrerseits recht bald den größten Marktanteil am niederländischen Jobbörsenmarkt für sich beanspruchen konnte.

Traffic wurde ganz easy von den Freemium-Jobbörsen über indeed eingekauft. Die bezahlten Premium-Services beinhalten vor allem Reichweite- und Zielgruppenprodukte und bescherten den Börsen guten Umsatz. Am liebsten war (und ist es immer noch) das Freemium-Modell bei Personaldienstleistern, die dort ihre freien Stellen zu Tausenden posten. 80 Prozent der Anzeigen, so Marc Drees, stammen von „Staffing Agencies“, 20 Prozent von kleineren Unternehmen.

Ende September 2012 kam, was kommen musste: Die Freemium-Sites hörten auf, komplett „free“ zu sein. Ein Flatrate-Modell (was wir in unseren Breiten seit der Gründung von Spirofrog kennen) mit monatlichem Grundpreis wurde eingeführt. Bei Jobselectie sieht das folgendermaßen aus, dass Gebühren je nach Betriebsgröße anfallen. Banenmatch möchte einfach 50,00 € pro Monat, basta.

Und demnächst (beziehungsweise, es ist schon mitten unter uns) kommt das, was Marc bereits in den Kommentaren meines Juli-Posts angedeutet hatte und was zu erwarten war: Die Niederländer gehen den europäischen Markt an. Unter dem Namen Job-Matcher wird der Klon des holländischen Freemium-Modells Banenmatch in Europa zu finden sein. Die deutsche Version (wenn auch mit extrem SCHLECHTER Übersetzung!!!) ist bereits live – hier lang.

Wie wird dieses Modell in Deutschland ankommen? Müssen sich die rein kommerziellen Anbieter Sorgen machen, dass nun zusätzlich zu Finanz- und Personaleinstellungskrise noch mehr Umsatz verloren geht, weil Unternehmen die neuen Freemium-Jobbörsen in ihr HR-Herz schließen?

So schnell wahrscheinlich nicht. Derzeit lässt die Website einiges zu wünschen übrig – ganz abgesehen von der grottenschlechten Übersetzung, die sowieso jeden Personaler abtörnt und schreiend davon laufen lassen wird. Es gibt einige Bilderfehler, an manchen Stellen sind holländische Begriffe zu finden, die Job-Links enthalten „…vacature…“, das Design ist generell ziemlich billig, und es gibt keine Möglichkeit, die hier heiß und innig geliebten HTML-Stellenanzeigen im Corporate Layout einer Firma zu schalten.

Spannend wird es dennoch, denn hinter der Jobbörse sitzen knallharte Kaufleute, die vor allem auf eines aus sind: Gewinn!
Deutschland ist natürlich ein großer und lukrativer Markt, und dazu als Nachbar zu den Niederlanden prädestiniert für den Launch. Eine auf der Homepage angegebene Telefonnummer hat die Düsseldorfer Vorwahl. Auch Belgien wird demnächst angegangen. Die entsprechende URL ist derzeit aber nicht funktional, wohl aus Mangel an Anzeigen. Dabei bietet sich Belgien gerade wegen der Sprachenähnlichkeit und der sehr teuren Anzeigenpreise dort sehr gut an. Dann Frankreich, eventuell die Schweiz, Großbritannien, … uiuiui.

Die beiden Banenmatch/Job-Matcher-Jungs haben ambitionierte Pläne: 100.000 Jobs online bis Ende des Jahres auf allen drei Jobbörsen. Aktuell sind auf der NL-Version knapp 29.000 Stellen geschaltet, in Deutschland 1.400 und in Belgien wissen wir das nicht. Na, dann viel Spaß!
Aber es werden sich bestimmt der eine oder andere Personaldienstleister finden, die eine halbfertige, aber dafür kostenfreie, Jobbörse gerne als Nikolaus- und Weihnachtsgeschenk mit ins nächste Jahr nehmen.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Seit der Einführung des Bezahlmodells in den Niederlanden, gehen die Marktanteile der vormaligen Freemium-Sites zurück. Auf den Plätzen 1 und 2 finden sich werk.nl, die Jobbörse des Arbeitsamtes, und JobBird, die beiden verbleibenden kostenfreien Stellenmärkte. Zufall oder harte Wirklichkeit?

Time will tell!