Immer mehr HR Startups in Deutschland

 

So allmählich bin ich doch beeinzweidruckt: In unserem technologieverpennten und #neuländischen Deutschland, darüber hinaus in der noch angestaubteren Personalbranche, höre ich zunehmend von interessanten HR Startups. Letzte Woche habe ich vom deutschen „Tinder for Jobs“, truffls, berichtet.

 

Diese Woche ist TalentWunder dran.

Das ist Talentwunder

 

TalentWunder gehört in seiner jetzigen Form zur Gattung der so genannten „People“ oder „Profil-Aggregatoren“. Ja, und wenn es bei Ihnen jetzt klingelt, und Sie denken, Sie hätten das schon einmal gehört, dann ist das sehr gut!

Schließlich blogge ich schon seit geraumer Zeit z.B. über TalentBin, Entelo, Gild, OpenWeb, Identified (obwohl es die jetzt nur noch bei Workday gibt, ähnlich wie TalentBin/Monster) und wie sie alle heißen.

 

Ein „Je ne sais Quoi“

 

Das gewisse Etwas, das „Je ne sais quoi“, von TalentWunder ist, dass es eben in Deutschland programmiert wurde und zwar von zwei jungen Herren, die sich mit dem deutschen Recruiting- und Technologiemarkt im Vorfeld und in ihren beruflichen Projekten auseinandergesetzt haben.

Daher bekommt ein Recruiter, nachdem er sich bei TalentWunder eingeloggt hat, auch direkt die Info vor die Nase, dass die meisten Profile aus Deutschland stammen.

Natürlich gibt es auch internationale Profile, und gerade zu Zeiten des überall proklamierten Fachkräftemangels soll die Personalanwerbung aus dem Ausland ja das Heilmittel (Wundermittel?) schlechthin sein. Fakt ist dennoch, dass viele Firmen am liebsten ihre Angestellten zum einen bei sich im Büro am Standort sitzen haben wollen und dass sie zum anderen immer noch darauf bestehen, dass die Firmensprache deutsch ist.

Also schon mal markttechnisch gut gelöst!

 

Die Gründer

 

Dr. Jörg Rech ist Gründer und CTO bei Talentwunder und für die technische Weiterentwicklung und technologische Vision verantwortlich. Als passionierter Software-Ingenieur hat er davor als Freiberufler, Gründer und Forscher bei SAP und Fraunhofer gearbeitet.

Andreas Dittes ist Gründer und CEO bei Talentwunder und kümmert sich um Marketing, Sales und die Geschäftsentwicklung.

 

Die Plattform im kurzen Test

 

talentwunder-dashboard-profile-sources

 

Als alpha-Testerin habe ich mir das Backend von TalentWunder genauer angesehen, wobei mir Nennenswertes aufgefallen ist:

  • Jedes angeschlossenes Netzwerk wird kurz präsentiert. Sehr praktisch für alle, die nicht auf Anhieb wissen, was z.B. Gravatar ist
  • Im Moment gibt es zwei Suchmodi: „einfache Suche“ und „erweiterte, komplexe Suche nach Tech-Profilen“ -> hier merkt man, dass Developer am Werk sind: bei der Anzahl an hinterlegten Fachtermini wird mir schwindelig!
  • Sehr schöne Funktion: Personaler können den Stellenangebotstext in ein Textfeld hineinkopieren. Der wird nach Schlagworten untersucht – also Parsing (s. Screenshoot weiter unten)
  • Möchte sich ein Recruiter ausschließlich auf Profile von XING konzentrieren, kann er die Suche alleine auf dieses Netzwerk ausrichten
  • LinkedIn steht als Netzwerk (noch) nicht zur Verfügung
  • In den Ergebnislisten werden die passenden Profile nach selbst einstellbaren Kriterien in eine Rangfolge gebracht
  • Mit dabei sind u.a.: die Wechselwahrscheinlichkeit, welche anhand bestimmter Faktoren berechnet wird; das Interesse, die Stelle tatsächlich anzutreten; die Umzugswahrscheinlichkeit und die Aktualität des Profils
  • Sehr lesenwert in dem Kontext „Wechselwahrscheinlichkeit“ sind Kommentare der Plattform selbst à la „weniger als 6 Monate im neuen Job! (Ggf. noch in Probezeit?)“. Klingt doch motivierend, mal den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.
  • Ebenfalls wählbar: Freiberufler, arbeitssuchend, angestellt

Natürlich sind Parameter wie Wechselwahrscheinlichkeit oder arbeitssuchend stets abhängig davon, ob und wie die Kandidaten ihre Netzwerkprofile pflegen. Eine Garantie für die Richtigkeit und Aktualität der Angaben kann es demnach nicht geben.

 

Screenshot – Funktion Jobangebot in Suchfeld kopieren:

 

talentwunder-jobangebote-eingeben

 

Wo stecken die Profile, Datenschutz und Netzwerke

 

Derzeit werden alle öffentlich zugänglichen, also „aggregierbaren“ Profildaten im Netz gesammelt und aus TalentWunder heraus verlinkt.

Sprich: Sie als Recruiter besuchen das Nutzerprofil eines potenziell für Ihren zu besetzenden Job passenden Kandidaten. Dieser Profilbesuch ist je nach Netzwerk und eventuell je nach Kontoeinstellungen oder -Varianten für den Jobsuchenden nachvollziehbar. Das nur als Hinweis.

Datenschutztechnisch ist alles sauber, zumal laut §28, BDSG „das Erheben, Speichern, Verändern oder Übermitteln personenbezogener Daten oder ihre Nutzung als Mittel für die Erfüllung eigener Geschäftszwecke […] zulässig [ist], wenn die Daten allgemein zugänglich sind oder die verantwortliche Stelle sie veröffentlichen dürfte.

Netzwerke, die TalentWunder im Angebot hat – weitere kommen nach und nach hinzu – sind

 

Geschäftsmodell

 

Die Jahreslizenz für Recruiter liegt im Moment bei 2.900,00 €.
Erscheint mir als Schnäppchen, wenn ich den Preis mit anderen People Aggregatoren vergleiche.
Ein Modell für KMU, Gelegenheits- und „Eintagsrecruiter“ ist in Bearbeitung, wie mir die Gründer sagten.

 

Zum Schluss noch ein paar Zahlen
Also, eigentlich nur eine:

2,3 Milliarden

Profile haben Andreas und Jörg bis dato im Netz aufgespürt und als Verlinkungen verfügbar gemacht.

 

Ich meine mich zu erinnern, dass Monster bei den Produktstarts in Europa im Rahmen der neuen Monster-Strategie etwas von 115 Millionen Profilen weltweit berichtete. Davon ca. 1 Million aus Deutschland.

 

Nicht schlecht, oder?