„Usability“, also die Benutzerfreundlichkeit einer Website, und damit einhergehend ihre intelligente Nutzerführung und Bedienbarkeit, ist auch im Online Recruiting sehr wichtig. Seit 2012 befasst sich die Stellenbörse Jobware mit dem Thema Eye-Tracking, um zu verfolgen, welche Punkte Bewerber in einer Online Stellenausschreibung am häufigsten, wie lange und in welcher Reihenfolge ansehen.

Die Ergebnisse sind jedes Mal sehr aufschlussreich.

Die primäre Voraussetzung ist natürlich, dass der potenzielle Kandidat die Anzeige findet, sich dafür interessiert und anschließend darauf klickt. Auch das müssen Personaler bei der angestrebten Verbesserung bedenken, denn die beste und nach allen Regeln der Eye-Tracking-Kunst optimierte Stellenanzeige ist nur dann erfolgreich, wenn der Wunschkandidat den Stellentitel (!) für so unwiderstehlich hält, dass er oder sie mehr lesen und sehen will. Alles andere ist vergebene Liebesmüh.

In der Studie hat Jobware 230 Probanden (60% Absolventen, 40% Berufserfahrene (mindestens 3 Jahre); 40% Wirtschaftswissenschaften, 30% IT-Kräfte, 20% Ingenieure und 10% Sonstige) gebeten, insgesamt 150 Online Stellenanzeigen durchzulesen. Die Augenbewegungen wurden dabei gemessen, und die Gebiete, die besonders lange und häufig angesehen, in Form von so genannten „Heatmaps“ veranschaulicht. Zu jeweils 5 Anzeigen befragten die Spezialisten darüber hinaus die Kandidaten zu den Inhalten. Damit untermauerte Jobware einige weitere Annahmen.

Die Erinnerung der Hauptinformationen im Benchmark zeigt folgendes auf:
jobware-eye-tracking_2014-erinnerung-hauptinformationen

Der Unternehmensname beziehungsweise die Arbeitgebermarke scheinen zunächst unerheblich zu sein.

Bemerkens- und vor allem MERKENswert finde ich die Reihenfolge, in der Bewerber eine Stellenanzeige scannen (von lesen kann hier keine Rede sein) und die Verweildauer bei jedem Element. In der Grafik zeigen die Zahlen die Abfolge der gesichteten Elemente an; die Größe des Kreises verweist auf die Verweildauer – je größer der Kreis, je länger die damit verbrachte Zeit:

jobware-eye-tracking_2014-abfolge-verweildauer

 

Klar zu sehen:

  • Der erste Blick gilt dem Stellentitel.
  • Wesentlich später, aber dafür die längste Verweildauer, fällt auf das Firmenlogo.
  • Interessant: Der Punkt „Was Sie erwartet“ weist die erste längere Verweildauer auf.

Der ultimative Online-Anzeigen Style-Guide nach diesen Ergebnissen sieht demnach in den ersten 4 Punkten folgendermaßen aus (Punkte 5-8 und 9-11 im Anschluss):

jobware-eye-tracking_2014-beispiel-perfekte-online-stellenanzeige_1-4

 

  • Online Stellenanzeigen müssen zweispaltig sein
  • Maximal 5 Bullet-Points; ab dem 3. Listenpunkt schwindet das Interesse, weiter zu lesen.
  • Firmenname, Branche, Stellentitel durch größere Schrift oder Fettung hervorheben
  • Anglizismen und firmeninterne Bezeichnungen vermeiden

Weiterhin sind folgende Dinge zu bedenken:

jobware-eye-tracking_2014-beispiel-perfekte-online-stellenanzeige_5-8

 

  • Stellentitel müssen gut sichtbar positioniert werden.
  • Der Textfluss muss das Querlesen unterstützen – besonders wichtig für technische Berufe.
  • Ein Bild muss die zukünftige Tätigkeit oder die Branche beschreiben.
  • Wenn Menschen in Bildern dargestellt werden, dann am besten nur einen Menschen abbilden. Eine Gruppe von Menschen lenkt vom Inhalt der Anzeige ab.

Recruiter und Anzeigengestalter sollten auch dies hier beachten:

jobware-eye-tracking_2014-beispiel-perfekte-online-stellenanzeige_9-11

 

  • Logo und Bild müssen prominent gesetzt werden, aber nicht unbedingt nebeneinander -> gar nicht so einfach…
  • Bilder lenken vom Text ab. Daher Bilder eher über oder unter den Text platzieren, nicht daneben.
  • Positionieren Sie den Unternehmensnamen dort, wo der Blick am ehesten verweilt: in der Nähe des Stellentitels.

Abschließende Bemerkungen:

  • BWL’er lesen anders als IT’ler: Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler lesen durchaus Fließtext, Informatiker springen viel häufiger im Text und lesen vor allem quer.
  • Männer lesen anders als Frauen: Frauen verweilen länger beim Anforderungsprofil als Männer und achten stärker auf Soft Skills und Arbeitszeitmodelle.
  • Absolventen lesen anders als Berufserfahrene: Die ungeübten Blicke der Absolventen sollten durch eine starke Bildersprache gelenkt werden; Berufserfahrene müssen die Kernbotschaft innerhalb weniger Sekunden durch Querlesen erfassen können.

Nun haben Sie die wichtigsten Informationen an der Hand, um Ihre Stellenanzeigen zukünftig ideal zu gestalten. Also los!
Ich bin gespannt auf die neuen Ergebnisse der nächsten Jobware Eye-Tracking Studie.

Viel Erfolg – dann ist der nächste Schritt dieser hier.