tischtennisnetz-3798504595_2605b65a7e_o-320Als begeisterte Tischtennis Spielerin (mit gefürchtetem Rückhand-Block!) gewinne ich zunehmend den Eindruck, einer Ping-Pong-Online-Recruiting-Weltmeisterschaft beizuwohnen.

Was hier seit knapp 12 Monaten geschieht, ist zwar nicht unbedingt innovativ (aber das macht gar nichts, denn der Begriff „Innovation“ wird derzeit zum neuen HR-Unwort des Jahres nominiert – und teilweise gebe ich dem Autor des vorher verlinkten Beitrags Recht), aber so lange man Bestehendes intelligent miteinander verknüpft: alles Bestens!

Drehen wir die Zeit sukzessive zurück:

0. Wie es sich für 2015 gehört, jagt eine berichtenswerte Meldung die andere, daher geht es hier ohne Umschweife zur gestrigen Pressemittelung von kimeta, die sechs neue Teilhaber vermelden.

Interessant, denn ich fragte mich seit geraumer Zeit, was mit kimeta passieren würde. Es war auffallend ruhig gewesen.

1. XING hat am 22. Januar 2015 verkündet, Jobbörse.com für 6,3 Mio EUR gekauft zu haben mit der Option, bei Erreichung von vereinbarten Zielen, bis 2017 noch weitere 2,4 Mio EUR zu erhalten. Gut verhandelt (wer gut verhandelt hat, das überlasse ich Ihrem Urteil).

Jobbörse.com ist die Suchmaschine, die bis im Sommer 2014 noch unter icjobs.de lief. Dahinter steckt die in Aschaffenburg ansässige Itelligence Competence Center AG. Mehr zu deren Produkten und einige Zahlen aus Januar 2014 – noch unter dem Namen icjobs.de – sowie eine Übersicht weiterer deutscher Jobsuchmaschinen gibt es hier als kostenfreien PDF-Download.

Wer es etwas aktueller und ausgeweitet auf die gesamte DACH-Region möchte, kann hier den Jobsuchmaschinen Report einsehen und bestellen.

2. 2015 Mitte Januar: Glassdoor kommt nach Deutschland.

3. Careerbuilder leitet seit Juli 2014 von Jobscout24 auf jobs.de um.

4. Natürlich sind indeed 2014 auch rührig gewesen und haben sich im Juni mit dem MoBolt Kauf in Richtung „Mobile-Apply“ weiter entwickelt.

5. LinkedIn hat im Mai 2014 die so genannten Limited Listings (welche ich für deutsche Profile bzw. Jobs immer noch nicht entdeckt habe trotz globalem Start…) gestartet.

6. Monster präsentiert Mitte Mai 2014 die neue Produktstrategie, in der wir zum ersten Mal davon hören, dass eine der ganz großen Jobbörsen, deren Geschäftsmodell überwiegend auf Jobanzeigen Verkäufen beruht, zukünftig wie ein Job Aggregator funktionieren möchte – wobei es bereits vorher einige Jobbörsen mit CPC-Ansätzen gab (XING zum Beispiel oder auch meinestadt.de).

So viel zum groben Hintergrund der Dinge – passiert ja immer noch mehr.

Was auffällt ist die Suche nach

  1. Ausdehnung des Jobangebotes für Jobsuchende (könnte auch mit SEO zu tun haben…)
  2. Geschäftsmodellen, die sich den heutigen Marktgegebenheiten (zunehmender Druck durch stärker werdende Jobsuchmaschinen, generelle Wettbewerbssituation im Markt, …) und -realitäten (schwindende Budgets, Social Media, Active Sourcing, …) anpassen und dennoch Gewinne versprechen.

woman-fight-punch-man_310-featuredDaher erscheint der Kauf von Jobbörse.com durch XING als Gegenreaktion auf die vorab beschriebenen Ereignisse – natürlich auch in Anbetracht der im Spätsommer gestarteten XING-Stellenmarkt Offensive durch Öffnung der Jobbörse für alle XING.Besucher, auch Nicht-Mitglieder.

Interessant wird es sein zu sehen, wie die Jobbörse.com-Technologie zum Aggregieren der Jobs in den XING Stellenmarkt integriert wird und welche Job Posting Möglichkeiten sich für personalsuchende Firmen bieten werden.

Laut Frank Hassler, XING Senior Vice President, Business Unit E-Recruiting, wird sich die technische Integration vor allem im Hintergrund abspielen, wie er mir bei unserem Telefonat gestern erzählte. Ziel sei es, den Jobsuchenden das möglichst breiteste Job-Spektrum anzubieten zusätzlich mit kununu-Employer Branding Profilen und – natürlich – der Netzwerk Funktion.

Für XING Jobs Kunden entsteht durch die vielen neuen Jobs, die durch das Aggregieren weiterer, plattform“fremder“ Jobs über XING gefunden werden, kein Nachteil: Die bezahlten XING Jobs werden prioritär behandelt.

Aber dank der Jobbörse.com Technologie können Firmen theoretisch weiteren Traffic für ihre Anzeigen hinzukaufen. Das ist wiederum interessant.

Die Frage, die sich stellt, ist, wie die aktuellen Jobbörse.com Premium-Jobportal-Kunden (also Jobportale, die über Jobbörse.com für ihre Stellenanzeigen Traffic einkaufen wie u.a. auch bei indeed oder kimeta, auf den Kauf reagieren. Werden sie weiterhin Premium Partner von Jobbörse.com bleiben?

A propos (noch einmal) kimeta: XING hatte hier in der Vergangenheit eine Kooperation. Diese wurde im Herbst 2014 gelöst.

Bleibt zum Schluss (fast) nur noch eines zu klären, aber das wird die Zeit von alleine regeln: Wie werden die anderen, großen Jobbörsen und Jobportale auf diese Entwicklungen reagieren?

Bilder:
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