Gesetzt den Fall, es gibt ein Gesetz…

Wie meinte ich noch etwas protzig im letzten Startup Investment Post: „Ob es in den Sommermonaten etwas ruhiger wird? Ich glaube nicht.“

Weit gefehlt, denn es herrschte im Juli gähnende Leere in den Geldbeuteln der Investoren. Wahrscheinlich alle im Sommerloch oder im Urlaub.

Die Anzahl der Deals war im Prinzip vergleichbar mit anderen Monaten, wobei jedoch vier aus zehn Startups es vorzogen, die Höhe der Investmentsumme unter Verschluss zu halten.

Dazu kommt – auch wenn das nicht der Grund für die wenigen Investmentdollar oder -euro im Juli sein wird – ein aktueller Gesetzentwurf, welcher vorsieht, die so genannten privaten „Business Angel“, die gerade für die Frühphasen einer Gründung wichtig sind, stärker zur Steuerkasse zu bitten.

So ist im manager magazin zum Beispiel zu lesen:

Sogenannte Veräußerungsgewinne aus Streubesitzbeteiligungen, also der Profit des Business Angels aus einem erfolgreichen Investment, sollten deutlich stärker besteuert werden. Bislang beträgt die Steuerermäßigung bei Veräußerungsgewinnen aus Streubesitz circa 95 Prozent, wenn der Business Angel das erlöste Kapital wieder reinvestiert. […]

Diese elementare Voraussetzung wird mit dem Gesetzentwurf abgeschafft und durch eine marginale und in der Praxis unbrauchbare bürokratische und intransparente Steuerermäßigung ersetzt.

Harte Zeiten also für deutsche Startups und private Anleger, denn selbst wenn dem Entwurf kaum „Durchkommenschancen“ beigemessen werden, gehen Experten davon aus, dass sich Business Angels so lange mit Kapital zurückhalten, bis der Entwurf endgültig vom Tisch ist.

Chart: Global HR Startup Investments 2015

Hier nun die Zahlen von Januar bis einschließlich Juli:

2015-HR-startup-investments-january-july_EN-740

Bemerkenswerte Deals im Juli

Talent.io, das aus Paris stammende Startup, ist erst vor drei Monaten gestartet und kann sich über eine Finanzierung von 2 Millionen Euro freuen.

Talent.io macht das, was man im Prinzip als „Extreme-Shortlisting“ von interessierten Softwareengineer-Kandidaten (wenn das mit den Stellenanzeigen doch nicht funktionieren sollte) bezeichnen kann: Jeder Kandidat, der auf der Plattform akzeptiert wird, MUSS Interesse an einem Jobwechsel haben. Dazu werden er oder sie auch 20 Minuten telefonisch auf Fähigkeiten und Kenntnisse abgefragt. Unternehmen, die neue Mitarbeiter suchen – hier ist vor allem von anderen Startups die Rede – erhalten jeden Montag eine vorgefertigte Kandidaten Shortlist.

Wenn alles passt, entrichten die Firmen Talent.io 1 Prozent des Jahres Bruttogehalts mit Zahlungsraten über 18 Monate hinweg. Verlässt der neue Mitarbeiter innerhalb dieser 18 Monate das Unternehmen oder wird er/sie entlassen, werden keine weiteren Zahlungen fällig. Klingt irgendwie gut, oder?

Ach ja, die Millionen sollen der internationalen Expansion dienen. Deutschland? DACH? UK? Alles plausibel. Bonne chance!

indeed.com’s Eigner, Recruit, hat in die Plattform – hier geht es ebenfalls wieder um IT-Talente – HackerRank investiert, und zwar 7,5 Millionen Dollar. Indeed, so heißt es, hätte HackerRank bereits für das eigene IT-Fachkräfte Recruitment verwendet.

Prescreen.io, welches Vielen unter dem Namen Mercury Puzzle bekannt sein dürfte, hat ein „Millionen Investment“ bekommen. Während sich Mercury Puzzle mit Matching und Online Assessment beschäftigt hatte, baut prescreen auf Multi Job Posting.

Ja, und dann war da noch der Deal, welchen ich natürlich nicht in meine Startup Investment Tabelle aufgenommen habe, weil Textkernel trotz allem nicht mehr unter dem Begriff „Startup“ läuft: Careerbuilder hat an die 60 Prozent Anteile an Textkernel gekauft.

Schließlich gab es noch einige Gerüchte zu einer möglichen Fusion von ProsiebenSat1 und Axel Springer, oder dass ProsiebenSat1 die Scout24-Gruppe übernimmt.

Die Fusion scheint vom Tisch zu sein, und der Rest ist Literatur, also Spekulation.

Wie dem auch sei: Der Konsolierungs-, Investment- und Expansionsreigen geht weiter. Bis zum nächsten Mal!