Das Internet Credo: schneller, höher, weiter – vor allem „reichweiter“

 

Wie groß ist das Internet?

In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken zum Thema Internet Reichweite, vor allem Jobportal– (sprich: Jobbörsen und Jobsuchmaschinen) Reichweite gemacht.

Um über Reichweite sprechen zu können, machen wir uns zunächst bewusst, in welchen Dimensionen wir in diesem Kontext sprechen.

Heute beträgt die Größe des so genannten „Surface Web„, also die Anzahl der Internetseiten, die von Suchmaschinen in den Suchindex aufgenommen werden, weltweit mehr als 4 Milliarden.

Das wiederum als „Dark“ oder „Deep Web“ bezeichnete Internet umfasst all die Webpages, die – unter anderem aufgrund ihrer illegalen Inhalte – nicht über die traditionellen Suchmaschinen (Google, Bing, …) zugänglich sind. Die Datenmenge des Deep Web ist laut (etwas veralteten) Informationen auf Wikipedia bis zu mehr als 500 mal größer als die des Surface Web.

Aber das Dark beziehungsweise Deep Web sei hier als reine Info erwähnt.

Für meine Reichweiten Betrachtung kommt also ausschließlich das Surface Web in Frage, da sich dort die Inhalte finden, welche die Online Recruiting Branche und rekrutierende Unternehmen betreffen.

 

Reichweite, Aufmerksamkeit, Verweildauer und „Usability“

Bei mehr als 4 Milliarden über Search Engines zugänglichen Websites ist natürlich die Konkurrenz um Aufmerksamkeit – sprich: Website Besucher, Anzahl der besuchten Seiten und Verweildauer auf den jeweiligen Seiten – hoch.

Denn auch wenn wir Menschen immer mehr unserer kostbaren Zeit online verbringen, so hat doch niemand wirklich Muße und Lust, lange auf Seiten mit viel Text zu verweilen.

Studien (ja, sie ist ein wenig „alt“, aber m.E. immer noch gültig, vor allem heutzutage, wo der Blick des Internetsurfers zunehmend durch Werbeanzeigen und Pop-Ups, etc. gestört wird) haben überdies ergeben, dass sich das Online-Leseverhalten von dem Offline-Leseverhalten unterscheidet: Wir „scannen“, beziehungsweise überfliegen Texte im Netz, da es für unsere Augen anstrengend ist, das Monitor-Geflimmer und die vielen visuellen Ablenkungen zu ertragen.

Stichwort: Reizüberflutung!

Das Ergebnis dieser Erkenntnis ist in die so genannten „Usability“ Bemühungen um eine Website geflossen: Die eher kurz gehaltenen Textinhalte werden genau dort auf der Website platziert, wo sich das menschliche Auge am ehesten beim Überfliegen einer Interneseite aufhält. Das Ermitteln der besten Position geschieht häufig mittels Eye-Tracking.

Ein weiteres Resultat der Tatsache, dass niemand gerne zu viel Text im Internet ansieht ist, dass sich Videos im Web großer Beliebtheit erfreuen, selbst wenn das für unsere Augen auch nicht ideal ist… Aber wir lassen uns gerne unterhalten und ablenken, und so konsumieren wir jede Menge Online Videos.

Ergänzen möchte ich, dass es zwischenzeitlich Studienergebnisse gibt, die Anderes zur bestmöglichen Länge eines Internet Textes besagen: nämlich, dass lange Texte durchaus ganz gelesen werden. Fakt bleibt jedoch, dass das Lesen auf dem Bildschirm eher anstrengend ist.

 

Reichweite aufbauen

Komm zu mir!

Wie oben erwähnt, wird es immer schwieger, in der Masse der zugänglichen Internetseiten als Website Betreiber einen Stich zu machen.

Alle Seiten- und Blogbetreiber können ein Lied davon singen.

Wie dem auch sei, Erfolg im Internet wird heutzutage überwiegend in Reichweite gemessen.

Hier gibt es übrigens eine Liste mit den 50 am häufigsten aufgerufenen Seiten weltweit.

Die Methoden, um Internetsurfer auf die eigenen Seiten zu locken und dort zu halten, variieren zwischen den „klassischen“ Methoden bis hin zu „Guerilla“ Taktiken.

Hier ein paar von den „klassischen“ Varianten:

  • Suchmaschinenoptimierung (auch SEO genannt)
  • Suchmaschinenmarketing bzw. -werbung (auch SEM oder SEA genannt): u.a., das, was Ihr aus Google AdWords kennt
  • Social Media Marketing: systematische Verbreitung von Inhalten auf Social Media Plattformen
  • Social Media Advertising: zum Beispiel gesponserte Anzeigen in Facebook, Twitter, etc.

 

Und hier eine der Guerilla Methoden:

Click- bzw. LinkBait

Wer von Euch lässt sich nicht ab und an von den so genannten „LinkBaits“ beziehungsweise „Click Baits“ à la „Ein Auto stand an der Kreuzung, und dann geschah das Unfassbare…!“ verführen? Oder von Titeln wie „Die 7 Dinge, die besonders erfolgreiche Menschen morgens nach dem Aufstehen tun“ zum Klicken verleiten?

Eher selten finden sich dann wirklich interessante Inhalte, und ganz ehrlich, wen interessiert es, was besonders erfolgreiche Menschen nach dem Wachwerden tun, wenn man dazu überhaupt keine Lust hat?

Viele Internetsurfer werden diese Techniken durchschauen und dann nicht mehr oder wohlwissend, was sie dort an eher sinnfreien Inhalten erwartet, darauf hereinfallen.

Meistens werden in diesen Titeln nicht nur ein Wissensbedürfnis oder Neugier hervorgerufen, sondern oftmals wird hier einfach unnütze Panik verbreitet.

Und letzten Endes geht es doch nur darum, den Lesern Werbung vor die Nase zu setzen…

 

Jobportal Reichweite: das Geheimnis des Recruiting Erfolgs?

Chaos, hohe Konkurrenz, weitere erschwerende Faktoren

Natürlich buhlen auch Jobbörsen und Jobsuchmaschinen um die richtigen (passende Bewerber!) Augenpaare im Netz.

Bei den mehr als 2.500 Jobportalen, die es alleine in Deutschland gibt, ist das kein leichtes Unterfangen.

Zumal die Jobsuche ein anderes „Konsumentenverhalten“ aufweist als einen Kauf auf amazon zu tätigen oder einen Post auf Facebook zu veröffentlichen oder einen Newsartikel zu lesen.

Dazu gesellen sich demographischer Wandel, der mehr oder weniger stark empfundene Fachkräftemangel sowie die generelle Schnelllebigkeit und die hohe Konkurrenz an den (Bewerber-)Märkten.

Schließlich entstehen immer wieder neue Job- und Recruiting Plattformen, und die meisten personalsuchenden Unternehmen versuchen ihrerseits Kandidaten für ihre Karriereseiten online und Social Media Präsenzen zu interessieren.

Wenn Ihr das mal alles zusammen betrachtet, ist das ein ganz schönes Durcheinander und eine Menge Konkurrenz, die sich dazu teilweise noch selbst im Wege stehen und sogar das gesamte System kannibalisieren.

 

Was tun?

Natürlich gibt es jede Menge Benchmarks über die Anzahl an Anzeigenaufrufen, die es braucht, um die kritische Masse an Bewerbungen zu generieren, damit es laut Statistik zu der gewünschten Zahl an Kandidaten kommt.

Laut der Reichweiten Studie von der Wollmilchsau sind dies im generellen Durchschnitt folgende Zahlen:

  • 500 – 1.000 Anzeigenklicks generieren
  • im Schnitt an die 50 Bewerbungen
  • und damit eine erfolgreiche Besetzung des Jobs

Die meisten Karriereseiten der Unternehmen weisen laut der Wollmilchsau Untersuchung wesentlich weniger direkte Zugriffe pro Job auf als nötig.

Das ist kaum verwunderlich, denn um die kritische Menge an Job-Seitenaufrufen zu bekommen, sind bei der starken Konkurrenz sowie einigen weiteren Faktoren, die ich vorher beschrieben habe, sowohl Budget als auch viel Online Marketing Arbeit erforderlich.

Jobbörsen stellen daher oft ihre Reichweiten Zahlen in den Vordergrund. Jobsuchmaschinen betonen, dass sie nicht nur Reichweite aufweisen, sondern auch die meisten Jobs über ihre Technologie im Netz gefunden und gelistet haben.

Was tun also?

 

Fazit

Eine Frage des hinsehenden Vertrauens

Zunächst möchte ich Euch ans Herz legen, nicht allen Zahlen, Daten und Fakten und auch nicht allen möglichen Statistik Tools, die es im Web gibt, blind zu vertrauen.

Wohlgemerkt, die Reichweiten Studie der Wollmilchsau will ich damit keinesfalls abwerten, ganz im Gegenteil, denn es stecken interessante Aspekte darin, die Ihr Euch ansehen solltet.

 

Allerdings gibt es Benchmarks, Studien, Rankings, Gütesiegel, Statistiktools, Expertenmeinungen und Prognosen, wie Sand am Meer!

Jeder Studie und jeder Erhebung liegen bestimmte und eigene Methoden und oftmals auch Beweggründe zugrunde.

Selbstverständlich existieren viele, auf Objektivität beruhende Daten, Zahlen und Fakten. Aber was IST Objektivität?

Hinter Datenauswertungen stecken menschliche Interpretationsansätze. Ich kann Daten und Ergebnisse so oder anders auslegen, und manches Mal interpretieren wir Daten so, wie sie am besten in unser (Verkaufs-) Konzept passen.

Was ist dann wirklich wahr?

Zahlen, Daten und Fakten lügen nicht, hört man oft. Aber sagen sie die ganze Wahrheit?

Vieles liegt im Auge des Betrachters, und das solltet Ihr vor allem bei Studien und Zahlen, die im Internet kursieren, mit einkalkulieren.

Aber Ihr wisst das ja schon.

Ich meine nur: Bleibt auf dem Boden, überprüft die (Sales-) Argumente und lasst Euch nicht zu sehr von irgendwelchen Zahlen beeindrucken. Wir sind dank Internet ziemlich bequem geworden und nehmen Vieles, was wir dort lesen, zu schnell für bare Münze.

Lasst Euch von niemandem in Panik bringen, weil „man das heute so machen muss“ oder „weil Ihr sonst Eure Talente an die Konkurrenz verliert“ oder „weil Ihr sonst den Zug verpasst“ oder sonst so einen Marketing-Kram.

 

Die Lösung zum Internet Reichweiten Problem in Bezug auf Jobs?

Die ideale Lösung habe ich natürlich nicht, aber die gibt es derzeit (noch?) nicht.

Was ich sehe ist, dass die Reichweiten Konkurrenz und das Chaos am (Online-) Recruiting Markt zunehmen und damit kontinuierlich die Preisspirale nach oben treiben.

Immer mehr Player, immer mehr Inhalte, immer mehr Panikmache, um Reichweite und (Personal-)Werbung zu verkaufen.

Da würde es sich ja fast wieder lohnen, in Print zu investieren?

Ein Lösungsansatz ist es meiner Meinung nach allerdings nicht, weitere Job Plattformen auf den Markt zu bringen, die versprechen, die ultimative Alternative alles bisher Dagewesenen zu sein.

Ich weiß nicht, ich fände es gut, wenn jemand mehr Ordnung in den Markt bringen würde, wenn dies überhaupt möglich ist (ehrlich gesagt bezweifle ich das).

Vielleicht wird Google for Jobs ein wenig mehr Struktur in diesen Online Job- und Karrierewust bringen?

Aber ob es wirklich gut ist, dieses hochsensible Thema einem einzigen Internetgiganten zu überlassen?

Wäre denn das auch wirklich „objektiv“?

 

Jedenfalls kann ich Euch heute nur dazu raten, was ich oben unter dem Fazit direkt geschrieben habe:

Sucht Euch Anbieter, denen Ihr vertraut! Hört dabei auf Eure Intuition und lauscht den Worten der Berater / Verkäufer:

  • Klingen die angegebenen Zahlen, Daten und Fakten schlüssig und plausibel?
  • Sind die Argumente echt oder handelt es sich um heruntergeleiertes Sales-Blabla?
  • Hört mein Ansprechpartner wirklich zu und versucht, mir eine Lösung zu MEINEM Recruiting Problem anzubieten?

 

Eines ist sicher: Im aktuellen Zustand des Online Recruiting Marktes ist es gut, sich als Personal suchendes Unternehmen auf mehreren, verschiedenen Online Recruiting Kanälen zu präsentieren, die eigenen Jobs auf der Karriereseite zu bewerben und sich mit weiteren Recruiting Methoden vertraut zu machen.

Wie lange sich das Reichweitenthema preislich und erfolgstechnisch noch lohnt, bevor die zunehmende Konkurrenz unter den Anbietern und direkten Arbeitgebern überhand nimmt, bleibt abzuwarten.

Internet Reichweite für Eure Stellenangebote ist selbstverständlich wichtig, kann und wird aber nicht alle Eure Recruiting Probleme lösen.

Das werdet Ihr bestimmt sowieso im Hinterkopf haben :)