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logo-crosswater.jpgZum Anlass des achtjährigen Bestehens der Jobbörsen Informationsseite Crosswater-Systems, freue ich mich, Ihnen heute ein Interview mit Herrn Gerhard Kenk, Inhaber und Betreiber des Portals, zu präsentieren:

Herzlichen Glückwunsch zum achtjährigen Crosswater-Systems Geburtstag! Was hat Sie vor acht Jahren dazu bewegt, den Jobbörsen Branchenführer ins Leben zu rufen?

Gerhard Kenk: Die neue Entwicklung des World Wide Web hat im Personalbereich die Technologie-Basis geschaffen, um mit Jobbörsen die Nachfrage (Stellenanzeigen) mit dem Angebot (Stellensuchende) elektronisch zusammen zu bringen. Wichtiges Alleinstellungsmerkmal waren die Möglichkeiten, die Datenbank gestützten Matching-Prozesse, also den Abgleich von Anforderungsprofilen und Fähigkeitsprofilen, erstmalig Online, in Realtime, 24 x 7 Stunden und weltweit zu unterstützen. Herkömmliche Printanzeigen konnten diese Funktionen nicht abbilden. Deshalb hat das WWW mit seiner technologischen Infrastruktur erstmalig einen E-Recruiting-Markt geschaffen.

Es hat sich aber in den Gründungsjahren der Jobbörsen von ca. 1995 bis 2000 gezeigt, dass sich im Gegensatz zu Wertpapierbörsen kein einzelner Jobbörsen-Markt entwickelte, sondern in jedem Land wurde eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Jobbörsen gegründet. Für Stellensuchende ergab sich dadurch die Notwendigkeit, sich Informationen über die geeigneten Jobbörsen zu beschaffen – oder möglicherweise interessante berufliche Entwicklungschancen zu verpassen. Dieser Zustand der Intransparenz eines Marktes hält auch heute noch an – Tendenz steigend.

Das Crosswater Portal hat es sich zum Ziel gesetzt, als Informations-Portal für das E-Recruiting den potentiellen Marktteilnehmern (Arbeitgeber und Stellensuchende) nützliche Informationen über die Jobbörsen bereit zu stellen. Und diese Chance wurde in den letzten 8 Jahren umgesetzt.

Wie kamen Sie zu der Namenswahl des Portals/ der URL? Hat „Crosswater“ einen bestimmten Hintergrund?

Gerhard Kenk: Dazu gibt es zwei Versionen, erstens die „historische“ Version und zweitens die „praktische“ Version. Im 16. Jahrhundert, also zur Zeit der Seefahrer und der Entdeckungsreisen, begann das Wettrennen um den Zugang zu den Gewürzinseln im indonesischen Insel-Archipel. Denn die Nachfrage nach Muskat, Pfeffer und ähnlichen Kostbarkeiten war sehr stark, und erfolgreiche Expeditionen, die damals übrigens schon wie IPOs (Initial Public Offer) finanziert wurden, versprachen Gewinnspannen, von denen heute die Verfechter der Globalisierung nur träumen können. Doch die Seefahrer hatten ein Navigationsproblem. Von der richtigen Funktionsweise ihrer primitiven Instrumente hing Leben oder Tod ab. Eines dieser historischen Instrumente war der sogenannte Cross Staff. Wer also erfolgreich unbekannte Meere mit Hilfe eines Cross Staffs überqueren wollte, musste sich in der Navigation sehr gut auskennen. Heute ist eine gute Navigation im Web – auch dank Google – keine lebensentscheidende Frage, sondern kann im schlimmsten Fall zeitaufwendig werden oder günstige Möglichkeiten ungenutzt lassen. Anhänger der historischen Namenskonvention leiten also Navigation mit dem Cross Staff und das Überqueren der Weltmeere (Crossing Water) mühelos vom Namen „Crosswater“ ab.

Die praktische und kürzere Version entstammt den Gründungszeiten des World Wide Web: Jeder Gründer, der eine neue Webseite eröffnen will, muß sich eine einzigartige URL bzw. Domain-Namen eintragen lassen. Und so kam es, dass zufälligerweise Crosswater-Systems.com noch frei war.

Erinnern Sie sich an die erste Meldung, die Sie veröffentlicht haben? Welche war das?

Gerhard Kenk: Nein, daran erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich habe gerade im Archiv nachgeschaut. Die erste Meldung erschien am 9.9.2000 und befasste sich mit Jobline:

„Jobline International, einer der führenden Online-Personalvermittler Europas, und Andersen Consulting gehen ein langfristiges Joint Venture ein. Unter dem Namen IntraJob AB, soll für Unternehmen eine integrierte Personallösung entwickelt und angeboten werden, die den Kunden die Möglichkeit bietet, zukünftig die Profile und Kompetenzen ihrer Mitarbeiter zu erfassen und mit dem eigenen Personal- und Arbeitsplatzbedarf abzugleichen. Ebenso erhalten die Mitarbeiter die Chance, ihre Bedürfnisse mit denen des Arbeitgebers in Einklang zu bringen. Ziel ist es, die internen Synergien zu nutzten und somit Kosten zu senken und mehr Effizienz im internen Personal Recruiting zu erreichen.

Ein solcher Pressetext ist auch heute noch aktuell und könnte problemlos wieder verwendet werden – man müsste nur die Namen austauschen….

Acht Jahre E-Recruiting im Rückblick: Was hat sich innerhalb dieser Zeit verändert? Welches sind für Sie die Meilensteine der Jobbörsen Szene aus den vergangenen acht Jahren?

Gerhard Kenk: Die Entwicklung der Jobbörsen spiegelte in geschäftlicher Hinsicht das ständige Auf und Ab der New Economy. Kennzeichnend für diese sprunghafte Entwicklung war die erfolgreiche Gründung von Jobpilot durch Dr. Roland Metzger und Kollegen, der erfolgreiche Börsengang im April 2001, die Übernahme durch Adecco und den Verkauf an Monster Worldwide. Diese Entwicklung zeigt auf, wie der frühere Marktführer seine Selbständigkeit verlor und letztlich ein Spielball der Marketing-Strategen wurde.

Die geschäftliche Entwicklung von StepStone verlief nach einem ähnlichen Muster, allerdings eher in umgekehrter Reihenfolge. StepStone stand nach Werbeausgaben in Millionenhöhe in Großbritannien vor dem finanziellen Abgrund. Ein neues Management-Team unter der Führung von Colin Stenwick brachte mit einer Rosskur das Unternehmen wieder auf Vordermann und gilt heute an den Wertpapierbörsen als solides Investment.

In Nürnberg haben die Macher des Virtuellen Arbeitsmarkts der Bundesagentur für Arbeit bewiesen, dass man es sich ohne Konsequenzen – sieht man einmal vom personellen Bauernopfer des damaligen Projektleiters ab – leisten kann, Millionenbeträge für eine Jobbörse auszugeben und dabei eine äußerst unglückliche Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

In technologischer Hinsicht werden die enormen Möglichkeiten des e-Recruiting nur zögerlich durch die Jobbörsen umgesetzt oder von Personalern und Stellensuchenden sinnvoll genutzt. In den letzten Jahren hat sich jedoch mit dem Aufkommen von Jobsuchmaschinen eine Entwicklung angedeutet, die eine potentielle Gefahr für Jobbörsen darstellen könnte. Jobsuchmaschinen haben das Potential – ähnlich wie im Handel – dass Jobbörsen als Mittelsmann (wie Großhändler) ausgeschaltet werden und der Recruiting-Prozess ohne die Einschaltung eines Agenten direkt zwischen Arbeitgeber und Stellensuchenden abgewickelt wird. Noch sind die Barrieren für diese Entwicklung (Finanzierung, Geschäftsmodell, Marketing usw.) durch die Jobsuchmaschinen nicht beiseite geschafft, aber die Entwicklung bahnt sich an.

Crosswater-Systems erfreut sich großer Bekanntheit und Beliebtheit am Markt. Welche Neuerungen planen Sie für die kommenden Monate/ Jahre auf dem Portal? Wird es z.B. für die Artikel eine Kommentarfunktion geben, um die Diskussion im Fachpublikum voranzutreiben?

Gerhard Kenk: Das Crosswater-Portal wurde in den vergangenen Jahren eher Schritt für Schritt entwickelt, große Technologie-Sprünge oder neue Verfahren der Content-Präsentation wurden eher zurückhaltend implementiert. Die wichtigste technologische Verbesserung spielte sich eher intern auf den Server-Festplatten ab: Letztes Jahr wurden alle Nutz-Informationen über Jobbörsen von statischen HTML-Seiten auf dynamische Datenbanken, (basierend auf den LAMP-Technologien, also Linux, Apache, MySQL und PhP) umgestellt. Das ermöglicht eine schnellere Datenpflege, vielfältige Präsentationen der Datenbank-Views und bessere Sortier- und Suchfunktionen für den Nutzer. Natürlich werden Content, Technologie und Usability ständig weiter entwickelt. So wurde letztes Jahr ein neues Informationsangebot zusammengestellt, zur Zeit sind über 4.700 Quellen zu Gehaltsvergleichen und Gehaltsangaben verfügbar. Damit hilft das Crosswater-Portal, mehr Transparenz und bessere Navigation bei zwei entscheidenden Fragen der Stellensuchenden zu schaffen: (1) In welchen Jobbörsen finde ich ein geeignetes Stellenangebot? Und (2) Welches marktgerechte Gehalt ist für meine angestrebtes Tätigkeit angemessen?

Natürlich stehen weitere Entwicklungen an, doch an dieser Stelle möchten ich mich nicht zu weit zum Fenster hinauslehnen, sondern diese erst ankündigen, wenn sie produktionsreif sind.

Wie wird die deutsche Jobportal Landschaft in zwei Jahren, also zum 10-Jährigen Crosswater-Jubiläum, Ihrer Meinung nach aussehen?

Gerhard Kenk: Jobsuchmaschinen werden eine wichtigere Rolle spielen, die Vernetzung der Jobbörsen untereinander im Rahmen der Reichweitenstrategie wird fortgesetzt, die derzeit verfügbare Web-Technologie wird langsam und Schritt für Schritt implementiert. Die Zahl der Jobbörsen wird sich eher erhöhen als reduzieren und die Intransparenz wird dadurch zunehmen. Große und kapitalstarke Karriereportale werden weiterhin auf Branding als Marketing-Instrument setzen. Spannend wird es sein, die zukünftige Entwicklung von Jobpilot zu beobachten. Recruiter müssen ihre Hausaufgaben machen und lernen, die Leistungsfähigkeit der Jobbörsen anhand objektiv messbarer Performance-Kriterien zu beurteilen. Mit dem Abschied von Opas Papierbewerbung eröffnet sich dem Personaler ein vielfältiges, aber auch ein komplexeres Instrumentarium für das Recruiting by Metrics.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

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