Diejenigen Leser, die meinen Blog schon seit längerer Zeit und regelmäßig verfolgen, wissen, dass ich von Jobsuchmaschinen nicht viel halte. Zugegebenermaßen haben sich diese jedoch in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und beginnen, den „Standard“-Jobbörsen gefährlich zu werden. Vor allem in den USA oder auch Frankreich, wo sich zum Beispiel Indeed besonders hervortut. In unseren Breiten sind das kimeta, JobRobot und Jobrapido.

In der Schweiz, dessen Online Recruiting Markt gerade im Bereich Social Media nicht einmal in Kinderschuhen steckt, sondern noch in den Wehen liegt, gibt es einen Anbieter, der ein interessantes Konzept verfolgt. Quasi als „Nebenprodukt“ wurde gleichzeitig eine intelligente Jobsuchmaschine entwickelt, die gezielt und ausschließlich Karriereseiten von Unternehmen und Personaldienstleistern (und -beratungen) auf Jobs absucht und diese dann auf Jobagent.ch sammelt, referenziert und ausgibt. Das ist Musik in meinen Online-HR-Ohren.

Stellenangebote auf Jobbörsen werden nicht mit aufgenommen. Auf diese Weise ergibt sich dank des Jobagenten ein sehr gutes Bild über die online verfügbaren freien Stellen in der Schweiz. Es kann trotzdem zu Anzeigen-Doppelungen kommen, wenn beispielsweise eine Firma eine freie Stelle auf der firmeneigenen Karriereseite ausschreibt und einen Personalberater oder -dienstleister beauftragt, der seinerseits die Vakanz auf seiner Unternehmensseite postet. Dennoch geben die Anzeigenzahlen, die die Betreiberin des Jobagenten, die x28 AG, damit ermitteln kann, ein gutes Bild zur Situation des Arbeitsmarktes in der Schweiz ab. Jedes Quartal stellt die x28 AG diese und weitere Zahlen in ihrem JobRadar Schweiz zur Verfügung.

Ich habe mir vorgenommen, diesen Report regelmäßig hier im Blog zu veröffentlichen und gegebenenfalls zu kommentieren und freue mich, dass mir Cornel Müller von x28 die Erlaubnis dafür gegeben hat.

Der Jobagent basiert übrigens auf einer semantischen Suchtechnologie, die von x28 inhouse entwickelt wurde und die von kommerziellen Jobbörsen genutzt werden kann. Jobs.ch hat die Technologie zum Beispiel in seinem Portal integriert und wir wissen ja, dass der Schweizer Marktführer unter anderem für seine tolle Suchfunktion bekannt ist.

Wie genau das funktioniert hat mir Cornel netterweise folgendermaßen beschrieben:

Das Schweizer Karriere-Portal jobagent.ch ist die erste und einzige semantische Job-Suchmaschine der Schweiz. Kernstück dieser Job-Suchmaschine ist ein unabhängiger Crawler, der die Websites von Schweizer Unternehmen nach offenen Stellen durchsucht. Die so erfassten Stellenanzeigen durchlaufen in einem weiteren Schritt eine semantische Anreicherung. Dabei werden Elemente der Stellenanzeigen, wie z.B. Jobtitel, Arbeitsort oder Pensum, extrahiert und über eine arbeitsmarktspezifische Ontologie indexiert.

Das heisst konkret, dass bei einer Suche nach Stellenanzeigen für Geschäftsleiter auch Stellenanzeigen für CEO, General Manager, Geschäftsführer, Direttore, Managing Director, Directeur usw. erscheinen. Die Job-Suchmaschine greift also beim Durchsuchen der Stellenanzeigen auf den semantischen Zusammenhang, in diesem Fall „Synonym von“, zwischen diesen Begriffen zurück. Diese semantischen Beziehungen werden in einer umfangreichen Datenbank, einer mehrsprachigen Arbeitsmarkt-Ontologie, welche u.a. Jobtitel und Synonyme enthält, hinterlegt und gepflegt. Dank Semantik vermeidet diese Job-Suchmaschine zudem typische Fehler einer Volltextsuche, die bei Eingabe von CEO als Jobtitel immer auch Stellenanzeigen für CEO-Assistenten anzeigen wird.

Die hohe Such-Qualität ist aber nicht der einzige Vorteil dieser semantischen Job-Suchmaschine gegenüber einer klassischen Jobbörse. Die Anzahl der Stellenanzeigen auf jobagent.ch ist grösser als bei Schweizer Jobbörsen, weil die meisten Unternehmen offenen Stellen auf ihren Websites publizieren und dort vom Crawler erfasst werden, aber längst nicht alle Unternehmen ihre Stellenanzeigen auf einer Jobbörse platzieren.

Ich bin gespannt auf den nächsten JobRadar, der im März erscheinen wird. In der Zwischenzeit empfehle ich Wissenshungrigen den gestrigen Artikel der NZZ zur aktuellen Arbeitsmarktlage in der Schweiz.

Und als hätte Gero Hesse es geahnt, hat er beinahe zeitgleich ein Interview mit Cornel Müller von x28 veröffentlicht. Viel Spaß beim Lesen.