Heute eine Information zu der neuen Job- und Karriereplattform Jobnative, die das anonymisierte Bewerbungsverfahren unterstützt. Ich habe mich mal eben registriert und werde das Tool weiter testen. Auch hier wird wieder mit Matching- und besonderen Suchtechnologien gearbeitet und gibt dem Ganzen einen „Recruiting 2.0“-Touch. A propos: surfen Sie kurz zu meiner englischen Online-Recruiting.net Version, auf der ich einen interessanten Gastbeitrag zur „Social Media Recruiting Performance deutscher Arbeitgeber“ gespostet habe.

Jobnative verfolgt einen lobenswerten Ansatz im Recruiting. Das einzige Manko, das ich sehe, ist der Aufwand, den sowohl Bewerber als auch Recruiter betreiben müssen, um das Portal zu nutzen: Als Bewerber muss ich (schon wieder) ein Karriereprofil anlegen, (schon wieder) mit Tags und Keywords meine Suchkriterien und Kompetenzen angeben, (schon wieder) Dokumente und Nachweise meiner Arbeit hochladen, (schon wieder) meine Berufserfahrungen beschreiben. Und Recruiter müssen genau angeben, welche Kompetenzen sie für die ausgeschriebene Stelle benötigen, etc.

Es wäre doch alles viel einfacher, wenn Bewerber und Recruiter eine einzige Anlaufstelle im Netz hätten, wo sie diese Informationen hinterlegen, bearbeiten, abrufen und gegebenenfalls irgendwo importieren könnten. Da sich aber hier kein Player bisher hervorgetan hat (außer evtl. LinkedIn oder in Frankreich DoYouBuzz) oder eben diese Player den Datenimport in Konkurrenzplattformen unterbinden, müssen sich Kandidaten und Personaler diesem abstrus anmutenden geschäftlichen Gebaren beugen und eben zum 10.000sten Mal ihre Daten eingeben und bearbeiten.

Aber ich schweife ab. Machen Sie sich am besten ein eigenes Bild – hier die Meldung von und zu Jobnative:

jobnative-kompetentMan könnte meinen, es ließe sich nicht verhindern, dass Jobsuchende bei Bewerbungen trotz ausgezeichneter Qualifikation bewusst oder unbewusst aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Herkunft diskriminiert werden. Eine neue Plattform für Jobsuchende und Recruiter versucht dies jedoch zu ändern. Dafür hat Jobnative ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren und eine eigene Plattform entwickelt. Von der aus sollen Bewerber unverbindlich ihre Jobchancen testen und ihr gesamtes Bewerbungsmanagement zentral verwalten können.

2001 als Brain2web gegründet hat sich das Unternehmen zunächst auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften spezialisiert. Heute kooperiert es mit der IG Metall, verpflichtet sich zu Tarifbindung und wirbt mit anonymen Bewerbungen. Unternehmensgründer Michael Wilczek erklärt wie es schließlich zur Jobnative-Idee kam. Er sagt: „Im Herbst 2010 hat das Bundesministerium über einen Zeitraum von anderthalb Jahren in fünf großen Unternehmen wie der Deutschen Post und der Telekom eine Pilotstudie zu anonymisierten Bewerbungen durchgeführt. Da die Ergebnisse von allen verantwortlichen Personalern durchgängig als positiv bewertet wurden, haben wir uns entschieden Bewerbungen auf der Jobnative-Plattform nicht mit klassischen Lebensläufen, sondern über anonymisierte Verfahren laufen zu lassen.“

Laut Wilczek stehe beim anonymisierten Verfahren anders als bei klassischen Bewerbungen vor allem die Frage im Vordergrund, ob ein Bewerber über die geforderten Qualifikationen verfügt. Dadurch erhöhe sich für Recruiter oder Unternehmen die Anzahl geeigneter Bewerber, die gut zu einer Stelle passen. Für Unternehmen kann das durchaus ein enormer Wettbewerbsvorteil sein, weil sie – zumindest in der Theorie – schneller und mit höherer Wahrscheinlichkeit den Kandidaten bekommen, der wirklich zur vakanten Stelle passt. Auch die Studie des Bundes hat gezeigt, dass sich Unternehmen mit anonymisierten Verfahren deutlich seltener ungewollt um qualifizierte Bewerber bringen.

Das Jobnative-Verfahren möchte daher bis zum Vorstellungsgespräch komplett auf persönliche Daten verzichten und die Qualifikationen und Kompetenzen von Jobsuchenden stattdessen mithilfe von Erfahrungsprofilen erfassen. Diese Profile werden dazu mit Schlagworten versehen und noch einmal manuell von Jobnative-Mitarbeitern überprüft. Anschließend können diese Profile über ein digitales Verfahren mit offenen Stellen aus der hauseigenen Datenbank abgeglichen werden. „Wir erfassen dabei vor allem Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen der Bewerber und verzichten darauf, Merkmale aufzunehmen, die nicht relevant sind, um zu beurteilen, ob ein Kandidat für eine Stelle geeignet ist. Dazu gehören Informationen, die Rückschlüsse auf Religion, Hautfarbe, ethnische Herkunft, Alter oder Behinderungen zulassen“, so Plattformgründer Wilczek.

Er möchte mit Jobnative auch ein klares Zeichen gegen Diskriminierung setzen. Wilczek sagt: „Unternehmen können mit unserem standardisierten Bewerbungsverfahren zudem sichergehen, dass sie bei Stellenbesetzungen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz einhalten. Für Personalabteilungen entfällt damit ein erheblicher bürokratischer Mehraufwand, der zum Beispiel durch Schwärzen von Informationen oder durch die Erstellung eigener standardisierter Bewerbungsformulare entsteht.“