Im Südwesten was Neues: 100000jobs!

Und wieder tut sich etwas am Schweizer Jobbörsenmarkt: Nachdem erst vor kurzem die Jobbörsen Alternative Metapage als „Gelbe Seiten“ für Karriere Websites gestartet ist, ist diese Woche ein (fast) neuer Player an den Markt gegangen: Am 01.12.2015 startete offiziell das Jobportal 100000jobs.ch (ganz schön viele Nullen…).

Warum das neue Jobportal?

Dass es dieses Jobportal geben würde, war schon länger bekannt, denn einige große Schweizer Personaldienstleister – von denen es in der Schweiz traditionell viele gibt – hatten die Nase voll von der Übermacht (Monopol?) von jobs.ch und dem in den letzten Monaten stärker werdenden Preisanstieg. Das könnte in Deutschland über kurz oder lang auch geschehen, wobei man das bei Springer – ähnlich wie mit Sicherheit bei Tamedia und Ringier – wohl eher entspannt beobachten würde.

[Update] – jobs.ch waren so freundlich, mir auf diesen Post hin eine Information zu den Preiserhöhungen zu schicken (Danke! Freue mich, wenn die Branche und die Beteiligten mitlesen, als „Korrektiv“ eingreifen und Zusatzinfos geben). Demnach hat die letzte Erhöhung 2014 stattgefunden, vor allem in der Romandie, also der französisch sprachigen Schweiz. Davor hatte es eine Erhöhung 2008 gegeben. Da das Preismodell je nach Kundengruppe und Region angepasst worden war, waren natürlich verschiedene Gruppen unterschiedlich (un-)glücklich.

Wer macht das?

Die technische Betreiberin von 100000jobs.ch ist die jobchannel AG, die selbst mehrere Nischen-Jobsuchmaschinen am Start hat.  Hinter der jobchannel AG steht in letzter Konsequenz die x28 AG, welche ebenfalls die Schweizer Jobsuchmaschine jobagent.ch betreibt.

Um einige der an die jobchannel AG angeschlossenen Jobportale zu nennen: pflege-berufe.ch, banken-stellen.ch, elektroingenieur-jobs.ch, … Ihr seht das Prinzip. Diese verschiedenen „Verticals“ dienen schlussendlich der Reichweite und dem SEO-Ranking (Suchmaschinenoptimierung) im Schweizer Jobbörsenmarkt. Gespickt mit jeweils passendem Content-Angebot für die Zielgruppe, haben wir es hier mit Portalen auf SEO-Steroiden zu tun. Bereits der Name des neuen Portals, 100000jobs.ch ist ja schon mal schlau gewählt. Mal sehen, wie sich die URL in den kommenden Monaten seo-technisch entwickelt.

Bis vor einiger Zeit hatte die vor der Tamedia / Ringier Übernahme noch so genannte jobs.ch AG eine kleinere Minderheitsbeteiligung an der x28 AG, die nun aber nicht mehr besteht, wie mir Cornel Müller, Mitglied der Geschäftsleitung bei x28, in den Kommentaren meines letzten Schweizer Jobbörsen Post berichtete.

Preise – Was kostet das?

Sinn und Zweck und damit das Ziel der neuen Job Plattform ist und war, günstig zu sein. Immerhin funktioniert 100000jobs.ch so genannter „Freemium“ als Job-Crawler und aggregiert in erster Instanz alles, was im Web nach Job aussieht und nicht bei drei auf dem Baum ist, in der Job Datenbank. Dort werden die Daten strukturiert, also semantisch „verstanden“ und dann kategorisiert. Schließlich erscheinen sie im Jobportal und sind für Jobsuchende auffindbar.

Das ist kostenfrei.

Aber bei 100.000 Jobs geht der eine und vor allem auch der andere Job mal schnell im Datenwust verloren. Also kann man Reichweiten- und Highlightprodukte dazu kaufen. Diese sind im Vergleich zu klassischen, kommerziellen Jobbörsen günstiger. Bei 100000jobs.ch liegt das so genannte „Power Listing“ bei schlappen 260 CHF:

1000000jobs-ch-powerlisting

 

Wer noch mehr Reichweite möchte, genehmigt sich das „Top Listing“ und ist damit auch auf passenden regionalen und Branchenportalen – auf denjenigen im jobchannel AG Verbund natürlich – mit drauf:

1000000jobs-ch-Toplisting

 

Sehr interessant, und selbstverständlich für die Betreiber von 100000jobs.ch sehr lukrativ, denn wie gesagt sind Schweizer Personaldienstleister in der Schweiz sehr stark vertreten, haben hohe Anzeigenvolumina, und die jobchannel AG beseitigt mit dem neuen Jobportal einen „Pain Point“ dieser Zielgruppe: nämlich hohe Anzeigenpreise.

Warum nicht.

Fazit

Der Schritt, dieses Jobportal zu bauen und zu starten, ist spannend und budgettechnisch interessant für Personalberatungen in der Schweiz.

Wenn immer mehr Personaldienstleister ihre Anzeigen dort schalten, wird das auch letzten Endes für jobs.ch positiv sein. Wir wissen alle, wie anstrengend und unsexy es ist, sich als Jobsuchende/r durch Hunderte und Abertausende Anzeigen von Personaldienstleistern auf Jobbörsen durchzuklicken, beziehungsweise, diese erfolgreich zu ignorieren.

Dank 100000jobs.ch wird jobs.ch auf Dauer an Qualität gewinnen, sollten tatsächlich alle oder sehr viele Personaldienstleister ihre Anzeigen nur noch auf 100000jobs.ch inserieren.

x28 und die damit verbundene jobchannel AG werden ebenfalls bei dieser „Jobbörsen-Migration“ – sollte sie stattfinden – profitieren, also aus monetärer Sicht gesprochen.

Aber eine Frage stelle ich mir trotz allem Business-, Branding- und Qualitätsmanagement-Geschick und dem so genannten „frischen Wind im Schweizer Stellenmarkt“ dank des neuen Portals:

Braucht es wirklich einfach nur noch mehr Jobportale, um marktführenden Jobportalen den Rang streitig zu machen?

Und ist das nicht sowieso einfach nur wieder Marketing-Sprech?