Careerbuilder soll verkauft werden?

 

Kaum ist der Monster-Verkauf unter Dach und Fach – obwohl sich der größte Aktionär, die MediaNews Group, gerade mächtig anstrengt, um dem Deal den Garaus zu machen –  kündigt die Muttergesellschaft von Careerbuilder (TEGNA, ehemals Gannett) an, über „strategische Alternativen für die Careerbuilder Group zu bestimmen.“

Der Verkauf des großen US-Automotive Portals Cars.com wird in der Investor Relations Meldung bereits als fest geplant dargestellt. Die Anteile sollen an TEGNA Aktionäre verkauft werden.

TEGNA hält 100 Prozent an Cars.com und knapp 53 Prozent an Careerbuilder.

Die Careerbuilder Group hat sich in den letzten Jahren immer stärker weg von einer reinen Jobbörse zu einem Anbieter von umfangreichen Recruiting- und HR-Software Lösungen entwickelt.

Hier seien zum Beispiel der Kauf des britischen Multi Job Posting Systems Broadbean vor zwei Jahren genannt.

Oder auch die Tatsache, dass damals – das ist schon wirklich lange her – bei der Übernahme der französischen Jobbörsen rund um das IT-Fachportal LesJeudis gleichzeitig die Bewerbermanagement Software Profilsoft mit eingekauft worden ist. Dieses stand dann auch als Ursprung der SaaS HR Suite Luceo, das Careerbuilder seinen Kunden anbietet.

Nicht zu vergessen: Auch Textkernel, der auf Semantik beruhende Anbieter von HR Services (CV-, Stellenanzeigen-Parsing, Such- und Matching Technologien und auch technologischer Pate meiner Artikelserie um die stärksten kommerziellen Jobbörsen Deutschlands), ist seit Sommer 2015 Teil der Careerbuilder Gruppe.

Vergangene Woche hat Careerbuilder sich schließlich WORKTERRA gegönnt:

„WORKTERRRA is a cloud-based benefits administration and talent management firm. The acquisition expands CareerBuilder’s product offering beyond recruitment into post-hire solutions and completes CareerBuilder’s evolution into a full-service human capital management company.“

 

Wie geht es weiter in der Jobbörsen Landschaft?

 

losttrail-sign_450In meinem Artikel zum Monster Verkauf habe ich bereits angedeutet, dass sich hier etwas abspielt, das die gesamte Jobbörsen-, ja Jobportal Branche betreffen wird.

Schon seit mehr als zehn Jahren zeichnete sich ab, dass die großen, erfolgreichen Jobportale nicht auf Dauer komplett unabhängig bleiben würden. Sie wurden von Verlagen oder größeren (technologischen) Dienstleistern übernommen, operierten jedoch weitestgehend selbständig. Oftmals stellten sie sehr gute „Cash-Cows“ dar: Hohe Umsatzzahlen bei vergleichsweise niedrigen Personal- und Produktionskosten.

Dies scheint sich jedoch nun wieder zu ändern.

Meines Erachtens liegt das an mehreren Faktoren:

  • das Anzeigenprodukt wird teurer: Um heute eine ansprechende Reichweite zu erzielen, müssen sich Jobportale einiges einfallen lassen und oftmals Traffic von außen hinzukaufen, zum Beispiel über Jobsuchmaschinen.
  • das Image von Jobportalen leidet seit einigen Jahren. Oftmals werden Jobbörsen als „Old School“ Recruiting und als reines Online-Abbild von Print Stellenmärkten verschrien
  • eine gewisse Trägheit, sich technologisch innovativ zu zeigen, ist leider dennoch nicht von der Hand zu weisen
  • viele Personaler können mit den Zusatzprodukten und technischen Details von Jobbörsen und Online Recruiting Kampagnen wenig anfangen – hier fehlt es auf Personalerseite häufig an Verständnis und dem Willen, sich technologischen Neuerungen zu öffnen. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung.
  • die Anzeigen werden also teurer, wenn sie auf Erfolg stoßen sollen. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft auf Unternehmensseite, mehr für Online Job Postings auszugeben
    • klar, schließlich gab und gibt es einerseits immer wieder Anbieter, die vernünftige Preise mit ihren Schnäppchen Angeboten kaputt gemacht haben
    • andererseits etablieren sich neue Anbieter auf dem Markt, welche die Job-Reichweite auf andere Art erhöhen, und das bei niedrigen Kosten – dank neuartiger Technologie
  • last but not least: Arbeitgeber geben sich mehr Mühe mit ihrer eigenen Karriere Website, nehmen aktiv die Gestaltung ihrer Arbeitgebermarke in die Hand, investieren in Social Media und Sourcing Aktivitäten und gehen z.B. in Events wie dem HR Hackathon die Technologie-Seite des Personalwesens aktiv selbst an.

 

Fazit

 

careerbuilder-jobboersen-landschaft-450Ich nehme an, dass wir in den nächsten Monaten einige der größeren und kleineren Jobportale die Besitzer wechseln sehen werden.

Die Konsolidierung des Marktes wird weiter voranschreiten, wobei Jobbörsen nach und nach in übergeordnete Strukturen eingegliedert werden.

Ich denke nicht, dass Nischen- oder spezialisierte Jobportale hier eine Ausnahme darstellen und wirklich auf Dauer unabhängig operieren können.

Sie werden zum Beispiel von größeren Job Posting Netzwerken wie RealMatch, dem Wollmilchsau Jobspreader, GermanPersonnels Multi Channel Posting Tool oder ZipRecruiter abhängig sein, um Gewinne (oder zumindest Umsätze) zu generieren.

Schließlich ist auch Google anscheinend auf dem Weg, job-seitig etwas aktiver zu werden.

Mal sehen, wer schnell genug ist, seine Schäfchen bis dahin ins Trockene zu bringen…

 

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