Da fiel mir gestern morgen beinahe der Kaffee aus der Hand, als ich die Pressemeldung von Ringier und tamedia in meinem Postfach fand.

Die beiden Medienriesen möchten die Schweizer jobs.ch Holding AG von Tiger Global Management (die kennen wir auch hiervon) übernehmen. Diese wird aktuell mit einem Unternehmenswert von CHF 390 Millionen (322 Mio. Euro) versehen. Die jobs.ch Holding AG betreibt unter anderem den Jobbörsen Marktführer jobs.ch, die Kaderplattform topjobs.ch sowie einige Branchen-Jobportale. Bis es zum endgültigen Abschluss der Übernahme kommt, können einige Monate vergehen, denn der Deal muss zunächst von der Eidgenössischen Wettbewerbskom­mission und der österreichischen Bundeswettbewerbs­behörde genehmigt werden. Österreich deshalb, weil die jobs.ch Holding AG mit 49 Prozent an der AT-Jobbörse karriere.at beteiligt ist.

Sobald der Deal durch ist, wird es also die jobs.ch Holding Ltd geben, die jeweils zu 50 Prozent Ringier und der Tamedia AG gehören werden. Bis dahin werden alle Pläne zur Zusammenführung und eventuelle gemeinsame Projekte auf Eis gelegt.

Ringier besitzt über die gemeinsame Beteiligung mit der Deutschen Telekom an der Scout24-Gruppe (die ihrerseits mit der Scout24 Schweiz AG seit Februar 2011 mit 16 Prozent an der jobs.ch Holding beteiligt ist) bereits indirekt 16 Prozent an der jobs.ch Holding.

Die Tamedia AG wirft ihre Jobup Ltd u.a. mit alpha.ch, jobwinner.ch und dem Marktführer in der französisch-sprachigen Schweiz jobup.ch mit in den Topf. Diese wird mit CHF 120 Millionen (knapp 100 Mio Euro) bewertet.

Was geschieht mit den insgesamt 5 Jobbörsen aus dem zukünftig gemeinsamen Recruitment-Classifieds Portfolio? Werden sie zu einem oder, was ich eher vermute, zwei oder drei Jobbörsen eingeschmolzen? Jobwinner mit jobs.ch beispielsweise, alpha.ch mit topjobs.ch. Jobup.ch muss auf jeden Fall als eigenständiger Player für die Romandie erhalten bleiben. Oder man packt die 4 (jobwinner, alpha, topjobs und jobs.ch) unter der Marke jobs.ch zusammen?

Dazu kann jobs.ch, wie mir Michel Kaufmann, Leiter Marketing & Product Management, Stv. CEO, auf meine Frage antwortete, zum heutigen Zeitpunkt nichts gesagt werden. Diese Dinge werden nach der Zustimmung der Ämter bekannt gegeben. Eine Frage ist, aber die wird zunächst niemand beantworten können, ob es sinnvoll ist, alle gut funktionierenden Schweizer Online Stellenmärkte auf einen bzw. zwei Anteilseigner zu vereinen. Wettbewerbstechnisch läuft da ja nicht mehr viel.

Auf meine weitere Frage, ob jobs.ch auch weiterhin im internationalen Jobbörsen Verbund The Network verbleiben wird, antwortete Kaufmann, dass „die geplante Übernahme durch Ringier und Tamedia hat keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit The Network“ haben wird. „jobs.ch wird auch weiterhin der Schweizer Partner von The Network sein“, so Kaufmann.

Da tun sich also zwei große Medienhäuser zusammen, die durch ihre Print- und Onlinetitel (zum Beispiel Blick, 20minuten, der Tagesanzeiger, piazza.ch oder homegate.ch) eine sehr große Anzahl an potenziellen job- oder latent-jobsuchenden Schweizern erreichen können.

Nicht zu vergessen, dass sich bereits vor einiger Zeit (ich habe das schon eine Weile auf dem Radar) die NZZ, Tamedia und Ringier zu einem Premium Publisher Network verbunden haben, um so richtig Wumms in den Online Werbemarkt zu bringen. Und was steht da in einer Pressemitteilung vom Juli 2012: „Es laufen konstruktive Gespräche mit Axel Springer und den AZ Medien“.

Um das Bild abzurunden: Axel Springer und Ringier haben 2010 ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um die Osteuropa-Aktivitäten der beiden Konzerne zu bündeln. Im Bereich Online Recruitment Sites wurde auch schon dieses Jahr in Rumänien zugeschlagen.

Nachtigall, ich hör Dir trapsen…

UPDATE (14.09.2012): es sieht so aus, als plante Tamedia, eines Tages jobs.ch alleine zu übernehmen. Link zum Interview mit Christoph Zimmer, Unternehmenskommunikationschef der Tamedia AG.