Ah, schon lange keinen Mecker-Blogpost mehr geschrieben! Wird Zeit… 

In Frankreich (vor allem bei französischen Agenturen) ist der Name „Multiposting“ schon eine Weile bekannt. Immerhin besteht dieser Anbeiter schon seit 2008.

Erst kürzlich wurde die breit angelegte Kooperation zwischen dem französischen Arbeitsamt Pôle Emploi und acht kommerziellen Jobbörsen – so eine Art virtueller Arbeitsmarkt auf französisch – angekündigt.

Multiposting, dessen Gründer ebenfalls für ein weiteres HR-Tech-StartUp verantwortlich zeichnen, Work4Labs, hat nun ein neues und äußerst ambitioniertes Projekt auf dem Schirm: Sonar. Dieses auf 3 Jahre und 3 Millionen Euro angesetzte Projekt wird zu knapp 50 Prozent mit finanziellen Mitteln des französischen Staats, der Region „Ile de France“ (alles rund um Paris) und der Stadt Paris bestritten.

Multiposting übernimmt den technischen Part, dazu kommen die Facebook-Recruiting Experten von Work4Us, einige Forschungsabteilungen des CNRS (das nationale wissenschaftliche Forschungszentrum), die Université Paris 8 sowie Spezialisten aus der Statistik und der Semantik.

Die Zeitarbeitsfirma Crit darf das neu entstehende Tool während der Entwicklungszeit nutzen und testen. Sonar hat das Ziel, „Arbeitgeber und Jobsuchende mit Hilfe semantischer Technologie näher zusammen zu bringen“. Dazu werden in den kommenden Monaten (Jahren?) 10 Millionen Stellenangebote analysiert. Auf der dadurch entstehenden Wissensplattform, die vor allem „Big Data“ auswerten wird, sollen Recruiter dann wertvolle Informationen und Einblicke erhalten: es werden die Stellenbörsen empfohlen, die für die ausgeschriebenen Jobs am besten geeignet sind (welche Kriterien werden hier zugrunde gelegt werden?) oder es werden passende Lebensläufe beziehungsweise die Orte im Netz, an denen sich diese befinden, gesucht und gefunden.

Wenn ein Recruiter einen Stellenanzeigentext eingibt – natürlich alles bei Multiposting, nehme ich an – bekommt er Textvorschläge angezeigt, die besonders wirksam (Performance!) sind. Alles in allem ein monströses Projekt (nein, das ist keine Anspielung), das darüber hinaus mit staatlichen Mitteln mitfinanziert wird – also zum Beispiel auch meine Steuergelder beinhaltet. Dazu kommt, dass es mit den 3 Millionen Euro mit Sicherheit nicht getan ist. Und wozu benötigt der französische Staat eine Beteiligung an einem solchen Tool? Ist dies ein (müder) Versuch, die Arbeitslosenzahlen zu verringern?

Schließlich hat Multiposting über dieses Projekt hinaus noch ganz andere Ambitionen, nämlich internationale. Gerade erst wurden Büros für die BeNeLux-Staaten eröffnet, deutsch- und englisch-sprachige Site-Versionen gibt es bereits (und das Deutsch klingt nicht mehr ganz so holprig wie noch vor 1-2 Jahren…). Mit einem solchen Tool möchte man natürlich gerne über sämtliche Grenzen.

Für mich bleiben einige Fragen offen, vor allem, welche Kriterien zugrunde gelegt werden, um eine Jobbörse als besonders geeignet für eine Stellenausschreibung zu befinden. Hier denke ich vor allem an Nischen- oder spezialisierte Seiten, die nicht den Riesen- dafür aber qualifizierten Traffic bringen… keine einfache Kopfnuss. Oder: wenn besonders „wirksame“ Textbausteine vorgeschlagen werden, werden dann nicht ALLE Anzeigen über kurz oder lang (wieder, nur andere, evtl. segmentierte) die selben Floskeln verwenden? Oder auch: Wenn der Staat schon die Finger mit im Spiel hat, wieso dann nicht ganz einfach für jede freie Stelle die Jobbörse des Arbeitsamts empfehlen? Oder wiederum: Könnte sich nicht die eine oder andere Jobbörse dazu berufen fühlen, bei Multiposting eine kleine „Referral-Fee“ zu bezahlen, um empfohlen zu werden?

Man kann das natürlich ins Endlose weiterspinnen. Machen Sie gerne dabei mit – als Kommentar. Letzten Endes bin ich von diesem Super-Power-Tool (noch?) nicht überzeugt. Es klingt alles viel zu schön und zu einfach, um wahr zu sein. Aber vielleicht irre ich mich ja auch.