crowdsalat_featuredLetzte Woche habe ich als HR-Bloggerin des offiziellen Blog Squads an der HR Tech Europe in Amsterdam teilgenommen und das Geschehen genau beobachtet und mitverfolgt.

Das Hochspannende an solchen Events – genau wie bei Branchenmessen wie zum Beispiel der Zukunft Personal, auch wenn diese zwischenzeitlich von einigen Personalern gerne als irrelevant verschrien wird – sind vor allem die Gespräche mit denjenigen, die vor Ort sind. Sprich: das Netzwerken mit Gleichgesinnten.

Im Fall der HR Tech Europe geht es selbstverständlich um alles, was sich im technologischen Bereich in den kommenden Jahren abspielen kann, um Personalern das Leben und die Arbeit zu erleichtern. Und auch wenn nicht zwingend das Rad jedes Mal neu erfunden wird – was meines Erachtens auch gar nicht Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen sein sollte – so lassen sich doch zunehmend interessante Entwicklungen für die Zukunft ableiten. Alles immer, wie bereits erwähnt, im Bereiche der Technik und Techonolgie angesiedelt.

In meinen Gedanken brodelt es seit vergangenen Donnerstag jedenfalls ordentlich, und ich brüte gerade einen Blogpost aus, in dem einige der Ergebnisse ihren Niederschlag finden werden – watch out!

Bei der Herbstausgabe der HR Tech Europe gab es eine Ecke – ja, leider war es wirklich nur eine Ecke in der so ziemlich entlegensten Ecke des Amsterdamer Kongresszentrums RAI – speziell für Recruitment-orientierte Startups. Diese Ecke lief unter dem hippen Namen „DisruptHR“. „Disruptive“ ist es inzwischen auch wert, eines der HR Bullshit Bingo Buzzwords zu werden, von denen auf der HR Tech minütlich sowieso eine ganze Menge freizügig über die Bühnen geschleudert wurden. Dazu vielleicht ein ander Mal mehr.

Erstaunlicherweise – oder wahrscheinlich eher nicht – waren in dem DisruptHR-Areal nur sehr wenige Konferenzteilnehmer zu finden. Die meisten, die sich dort hin verirrten, waren selbst Startup-Gründer, Investoren, Journalisten, besonders moderne Recruiter (ja, die gibt’s tatsächlich!) oder eben so Leute wie mich, die den Markt genauer beobachten, um dann ihre Analysen und Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Ideen der Gründer zeigen häufig, was man heutzutage mit Technologie alles machen kann. Oftmals sind es kleinere Ideen oder Ansätze, die in der Regel jedoch auf größere Knackpunkte in Prozessen oder bereits bestehenden Systemen hinweisen. Die Hoffnung, mit der Idee eine bahn- und fugenbrechende (nebenbei: klingt als deutsches Wort doch viel besser als „disruptiv“, oder?) Errungenschaft hervorzubringen oder von einem Größeren gekauft zu werden, steht allen Gründern ins Gesicht geschrieben.

Einige der Ansätze sind wirklich gut, andere zu wenig durchdacht, und die meisten – leider – im Markt des verschlafenen und innovatoinsresistenten Recruiters viel zu früh.

Dennoch: verfolgen Sie, was sich hier tut und lassen Sie sich von den Ideen inspirieren. Es gibt übrigens kaum Tolleres, als mit Startup-Gründern gemeinsam Ideen weiter zu spinnen, neue Ideen zu bekommen und auf noch bessere Gedanken zu kommen…

Hier also eine kleine Sammlung der Startups, die ich in Amsterdam gesehen und mit deren Gründern ich gesprochen habe – in alphabetischer Reihenfolge:

Appical
Ein niederländisches Startup, das sich per mobiler App mit dem Onboarding Prozess befasst, um die neuen Mitarbeiter richtig und wertschätzend einzuarbeiten. Wurde im April unter die Top 100 Europe Company gewählt.

eiTalent
Ein US-amerikanisches HR Startup, das Jobsuchende und Unternehmen anhand eines „Cultural Company Fits“ zusammenbringt. Hier können Schriftsätze, sogar auch nur Textfragmente, aus E-Mails, Lebensläufen, Motivationsschreiben, Profilen und Websites zu Rate gezogen werden. Diese werden anhand von linguistischer Analysen ausgewertet. Das Interessante: Potenzielles PR-Gelaber bezüglich Arbeitgebermarke und Personalmarketing wird nicht in Betracht gezogen. Diese linguistischen Analysen lassen sich auch in bestimmten Unternehmensabteilungen durchführen, sodass die Stimmung und „Kultur“ in der Abteilung bestimmt wird.

Joberate
Irgendwie komplementär zu eitalent – davon abgesehen kennen sich die beiden Gründer auch sehr gut persönlich – befasst sich Joberate mit so genannten „predictive analytics“. Damit kann z.B. festgestellt werden, ob ein Mitarbeiter darüber nachdenkt, sich nach einem neuen Job umzugucken. Es kann auch gesehen werden, ob sich in einer Abteilung oder gar im Gesamtunternehmen eine Krise anbahnt. Letztlich zielt das Tool darauf ab, die Unternehmenskultur zu verbessern, damit die Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen bleiben.

Recrout
Ein niederländisches Startup. das mit seiner eingenständigen Plattform dafür sorgen möchte, dass Jobsuchende und Unternehmen aufgrund von passender Mentalitäten (Stichwort: Unternehmenskultur passt zur Einstellung des Kandidaten – Matching) zusammenfinden. Im Hintergrund liegen 45 verschiedene Kompetenzen, die registrierten Bewerbern anhand eines Eingangstests zugeordnet werden. Firmen legen auf der anderen Seite ein Profil an und nennen dabei die Merkmale, für die sie als Firma stehen. Im Gegensatz zu eitalent wird hier also die Unternehmenskultur vom Unternehmen selbst deklariert.
Das Geschäftsmodell beruht auf einem Preis, der fällig wird, wenn das Unternehmen das volle Kandidatenprofil eines potenziellen „Match“ sehen möchte.

Skillhive
Diese in Finnland entwickelte Plattform dreht sich rund um das Thema Kenntnisse und Fähigkeiten, neudeutsch: Skills.
Sie wird innerhalb eines Unternehmens eingesetzt, um alle Fähigkeiten der Mitarbeiter im Sinne der „Schwarmintelligenz“ sichtbar zu machen. Damit können Teams für Projekte anhand von Fähigkeiten der Mitarbeiter zusammengestellt werden. Die Idee der „Gamification“ liefert so genannte „Badges“ für besonders aktive Mitglieder.

Ist Ihnen was aufgefallen?
Kein deutsches HR Startup ist in dieser Liste, wenngleich es so einige junge Starter auch in Deutschland und generell in der DACH-Region gibt. Einige wie GoHiring, viasto oder auch firstbird sind bei den HR-Bloggern der „Suppe“ inzwischen bekannter geworden, und auch mit Events wie der HR Safari und der DGFP HR Startup Tour ist festzustellen, dass sich die Branche allmählich für diesen Zweig der neueren Entwicklungen in HR interessiert.

Und Sie? Was halten Sie von HR Startups?

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