truffls – Das „Tinder for Jobs“

 

Der Beitrag „Tinder for Jobs – Is it a Match?“ hat unter den Bloglesern und anderen HR-Bloggern viele Reaktionen ausgelöst:

Zum einen Interesse, hier und da ein Augenzwinkern (auch unter HRlern kennt man Tinder, jaja!), zum anderen jede Menge Klicks auf den Artikel generell sowie ein hoher Verbreitungsgrad in den sozialen Medien!

Zu der Zeit, als ich den Beitrag veröffentlicht habe, war mir bereits bekannt, dass in Deutschland just in diesem Moment ein Tinder for Jobs am Entstehen war: nämlich truffls.de.

Die Macher von truffls.de waren von April bis Juli 2014 übrigens auch im Axel Springer „Plug & Play“ Inkubator für vielversprechende Startups. Im Februar 2014 hat die Wollmilchsau die damalige Version von truffls beschrieben. Seither hat sich einiges bei dem jungen Startup aus Berlin getan.

Nun gibt es für truffls die mobilen Smartphone Apps für iOS und Android.

Also habe ich die App installiert und getestet.

 

Das superschnelle Fazit

 

So macht Jobsuche Spaß (fast schon süchtig) – und hoffentlich bewerben zukünftig auch!
Aber ganz von vorne:

Die App Installation

 

Zum bequemen Einrichten können Nutzer ihr XING– oder Linkedin-Profil verwenden.
Die meisten Daten werden direkt aus XING und LinkedIn übernommen, späteres Anpassen und Auswählen bestimmter Branchen ist im Nachhinein möglich. Darüber hinaus können Nutzer im Nachgang ebenfalls weitere Profile hinzufügen. Aktuell stehen Github und Stackoverflow zur Auswahl (mal sehn, was da noch so kommt).
Was ich sehr praktisch finde, ist, dass ich nur sehr wenig an den Daten nacharbeiten muss. Die Sprachkenntnisse hat die App allesamt und korrekt z.B. aus XING eingespielt, bei den Kenntnissen – „Skills“ – ist Nachjustieren sinnvoll, da dort viele XING-Mitglieder viel Unnötiges reinschreiben (ich muss mich da selbst in die Pflicht nehmen…).

 

In dem Zusammenhang merkt Matthes Dohmeyer, einer der truffls-Gründer, an:

Wir trennen bei dem neuesten Release klar zwischen innerhalb von truffls angelegten Skills und solchen, die wir aus verbundenen Accounts ausgelesen haben. Um transparent zu sein, zeigen wir dem User an, welche Informationen wir aus Social Media Profilen ausgelesen haben – editieren kann er diese allerdings nur in seinem Account im jeweiligen Netzwerk. Er hat also einen Anreiz, mal wieder seine Profile upzudaten.

Genau dieser Umstand dürfte übrigens für XING und LinekdIn von Interesse sein zwecks Nutzerbindung und Profil-Aktualität!

 

Der Slogan – frech und selbstbewusst:

 

truffls-slogan-launchscreen

 

Das Prinzip

 

„die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ nach dem Tinder-Muster.
Während der Jobsuchende fleißig nach rechts (bekundet Interesse am Job) oder links (uninteressant) wischt und damit seine Auswahl trifft, lernt der „Recommendation Engine“ im Hintergrund mit.

So kann es auch passieren, dass man z.B. angegeben hat, man wäre bereit, für einen neuen Job bis zu 200 km von seinem jetzigen Wohnort umzuziehen. Ignoriert ein Nutzer aber regelmäßig Jobs, die weiter weg sind, schlägt die App vor, die Auswahlkriterien zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern. Dasselbe geschieht bei Branchen, „Skills“, etc.

 

Und dann?

 

Das anonyme Jobsucher Kurzprofil geht per E-Mail an das personalsuchende Unternehmen, und hier muss auf jeden Fall jemand aus der Personalabteilung reagieren – am besten sehr schnell.

 

Da liegt je nach Unternehmen der Hase im Pfeffer, denn viele Personalverantwortliche sind ja leider nicht die Reaktionsgeschwindigkeit in Person.

 

Aber ganz ehrlich: Sowas lässt sich doch zum Beispiel bequem auf dem Weg zur Arbeit mobil erledigen oder beim Warten an der Kasse im Supermarkt. Zumal Recruiter hier einfach einen Knopf betätigen müssen, um die komplette Profilansicht anzufordern.

 

It’s a Match!

 

Ist das Unternehmen am Bewerber interessiert, signalisiert es dem potenziellen Kandidaten per Knopfdruck, dass er/sie das Bewerberprofil angesehen hat. Der Kandidat kann sich also bewerben. Ist doch schon mal schmeichelhaft, wenn die Firma Interesse zeigt, und man sich als Bewerber nicht einfach ins Blaue rein bewirbt.

 

truffls-screen-itsamatch

 

So sieht eine Jobanzeige bei truffls aus

 

Die Stellenausschreibungen werden über die eigens entwickelte Technologie „geparst“ (ausgelesen und strukturiert). Die wichtigsten Aufgaben werden in Stichworten angezeigt und geben einen schnellen Überblick. Stellentitel und Arbeitsort sowie Firmenlogo sind ebenfalls in der Kurzübersicht. Das ist für eine erste Entscheidung auch schon vollkommen ausreichend.

 

truffls-screen-jobdetails

 

Genau hier wird wieder klar, wie immens wichtig für Unternehmen es ist, Stellentitel und Tätigkeiten präzise und knapp zu formulieren, und dabei dringend den Einsatzort zu nennen (das wird häufiger vergessen, als man denkt): Bei meinen Tests habe ich festgestellt, dass ich nur selten den gesamten Anzeigentext durchgelesen habe. Innerhalb weniger Sekunden war mir bereits klar: passt oder passt nicht.

Das ist das Praktische an der truffls-App: Binnen einiger Sekunden werden hier Jobs bewertet.

Alleine das muss Unternehmen und vor allem Recruitern klar werden: Bewerber werden wie Recruiter mit einem Lebenslauf nur eine sehr kurze Zeitspanne damit verbringen, um sich von dem Stellenangebot überzeugen zu lassen. Ist das die umgekehrte Revolution des immer stärker werdenden Bewerbermarktes?

Sehr nett: Der Begriff „Job Card“ in Anlehnung an „Twitter Cards“ und die Kartenansicht des Arbeitsorts.

 

Ein paar Daten und Erkenntnisse der ersten Beta-Tester

 

  • Die Tester haben innerhalb weniger Tage bereits 20.000 Swipes (Wischbewegungen) ausgeführt.
  • Ohne die App im AppStore zu bewerben oder Marketing dafür zu machen, wurde diese bereits mehr als 200 Mal heruntergeladen.
  • Auf der E-Mail Warteliste, auf die sich Interessenten eintragen konnten, um über den App-Launch informiert zu werden, stehen einige Tausend.
  • Die ersten Nutzungsstatistiken zeigen, dass je dichter die Swipes aufeinander folgen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit eines „Nein“-Swipes.
  • O-Ton eines Testers: „Es macht fast schon süchtig, ich will einfach wissen, welcher Job als nächstes kommt!“

Das Geschäftsmodell

 

Hier habe ich nochmals bei den Gründern direkt nachgehört. Clemens Dittrich sagt:

Das Geschäftsmodell wird zu Anfang so aussehen, dass Unternehmen wie gehabt für die Schaltung ihrer Stellenanzeige bezahlen, dafür jedoch eine „targeted delivery“ bekommen, also eine gezielte Auslieferung ausschließlich an passende Kandidaten.

Zudem erhalten sie Zugriff auf ein Dashboard zur Verwaltung ihrer truffls-Kandidaten, durch das sie deutlich schneller mit diesen interagieren können. Dieses soll möglichst schnell auch an bestehende Candidate Management Systeme angebunden werden.

Lust, die App auszuprobieren? Dann nichts wie los.

 

Image: by © HK Visuals
Thanks again, Tiana!

Was ganz Anderes zum Schluss:

Wer sich informieren möchte, wie man mit der Original-Tinder App Recruiting betreiben kann, guckt sich dieses Video an.
Ich halte das für ziemlich gewagt, aber immerhin spricht dann die halbe Branche darüber. Viel Spaß!