Es war einmal… ein grünes Monster

 

Was war Eure erste Reaktion, als Ihr Montag vor einer Woche, am 08. August 2016 – mitten im Sommerloch – gehört habt, dass Monster von Randstad gekauft wird?

Wart Ihr überrascht? Geschockt? Erfreut? Wusstet Ihr schon immer?

Dafür hat Randstad USD 429 Millionen (387 Mio EUR) geboten, was einem Aktienpreis von USD 3,40 pro Aktie entspricht.

Ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass die Aktie in den letzten Monaten zwischen 5 und 7 USD kursierte, und zu Bestzeiten (schon etwas länger her) mit bis zu 8 Milliarden (!) USD bewertet worden war und es selbst 2007 noch auf 5,5 Mrd USD brachte (siehe auch Grafik auf Techcrunch).

Ein Schnäppchen also?

Dafür, dass der 2007 angetretene CEO Sal Iannuzzi Monster zum Verkauf „fit“ machen sollte  – also zu Zeiten, als Monster noch 5,5 Mrd USD wog – sind 429 Mio also ein deutliches Schnäppchen.

2012 sah es beinahe so aus, als hätte Monster einen Käufer gefunden, aber daraus ist dann doch nichts geworden. Es wurde in den Iannuzzi-Jahren, aber auch danach, viel Personal entlassen, Jobportale wurden gekauft und wieder veräußert, in neue Technologien investiert, und neue Produkte lanciert. Damit wurde auch das „For Sale“ Schild wieder aus dem Schaufenster genommen, und es hatte ausgesehen, als ginge Monster den Weg mit der „All the Jobs Offensive“ alleine voran.

Aber das kann ja am heutigen Markt gar nicht auf Dauer gehen. Warum? Dazu weiter unten in der Analyse mehr.

 

Wie war also Eure Reaktion auf die Nachricht über Monsters Verkauf?

monster-at-workIch habe die Information dank meines Netzwerkes auf Facebook erhalten, und mein erster Gedanke auf die Meldung war zunächst ein ganz unspezifisches: „Oha!“

Zu mehr gedanklicher Ausführung war ich in dem Moment nicht in der Lage, denn ich war auf dem Sprung.

Aber man sollte seinen ersten Reaktionen und dem Bauchgefühl immer vertrauen, dann prüfen, kritisch hinterfragen und schließlich analysieren.

Das werde ich im weiteren Verlauf des Beitrags also tun:

Oha!

 

Erinnert Ihr Euch noch an die Anfänge der Jobbörse Monster Worldwide?

Ich nicht, denn ich war zu dieser Zeit mit Abi und Studieren beschäftigt.

Im Markt wird Monster jedoch als die Mutter des Online Jobbörsenmarkts gehandelt, und damit als Wegbereiterin des Online Recruiting gehandelt, die einen Paradigmenwechsel im Stellenanzeigen Geschäft und der Jobsuche überhaupt eingeläutet hat.

Viele weitere Player entstanden, sowohl in den USA – the Home of the Monster – als auch in Europa. Schon bald gesellten sich Jobsuchmaschinen (Definition und Infos) und soziale Netzwerke hinzu.

Jobbörsen gerieten zunehmend unter Wettbewerbsdruck, die Finanzkrise fügte das Ihrige hinzu, und dazu kam, dass viele Jobbörsen eine gewisse Resistenz an den Tag legen, sich neu erfinden zu wollen.

Monster war in dieser Hinsicht – genauso wie Careerbuilder – einer der Vorzeigekandidaten:

Beide investierten frühzeitig in neuere Technologien wie beispielsweise Semantik (Careerbuilder und Textkernel, Monster und 6Sense), und Produkterweiterungen.

 

Aber das alleine reicht nicht aus, denn viele haben Monster und Careerbuilder als reine „Jobbörsen“ – also Jobposting Marktplätze angesehen, und – Hand aufs Herz – vielen HR-Kunden war der technische Teil im Hintergrund einfach zu komplex.

 

Warum kauft Randstad Monster?

 

Natürlich kann ich hier das wiedergeben, was die Vertreter beider Unternehmen in der Pressemitteilung sagen:

„Monster ist mit seiner branchenführenden Technologieplattform und den einfach anzuwendenden Lösungen im Bereich mobil, digital und Social Media eine natürliche Ergänzung für Randstad. Die Transaktion richtet sich an unserer Wachstumsstrategie Tech and Touch aus und reflektiert unser Engagement für die Annäherung von Arbeitsangebot und -Nachfrage, um die richtigen Leute besser mit den passenden Stellen zu verbinden.“

 

Das sagt aber rein gar nichts.

 

Randstad ist derzeit die Nummer 2 am globalen Personaldienstleister Markt mit einem 2015 erzielten Umsatz von 19,3 Milliarden EUR (Wikipedia).

Adecco führt das Rennen nach wie vor in diesem Ranking. Lustigerweise hatte Adecco seinerzeit die Jobpilot Gruppe übernommen, und diese dann 2004 für 74,5 Millionen EUR an Monster Worldwide verkauft.

Ob sie das heute bereuen, wo damals – wenn ich mich recht entsinne – einer der Verkaufsgründe war, dass das Anzeigenmodell von Jobpilot nicht zum Kerngeschäft Adeccos passte?

Nun ja, heute passt das.

Das sehen wir ja auch bei Übernahmen wie Indeed und SimplyHired durch Recruit Holdings.

Recruit Holdings ist übrigens ein gutes Stichwort im Zusammenhang Monster-Randstad Deal: Momentan befindet sich Recruit Holdings an 6. Position am weltweiten Personaldienstleistermarkt. Durch den Kauf der niederländischen USG People Gruppe könnten sie es sogar auf Platz 4 schaffen.

Sprich: Auch Randstad muss sich etwas einfallen lassen, um die ambitionierte Business Strategie der Recruit Holdings mit dem Ziel, 2020 der führende globale Personaldienstleister zu sein, zu zügeln.

Indeed erfreut sich indessen guten Wachstums, während Monster in den letzten Monaten reihenweise die finanziellen Ziele verfehlte.

Randstad und Recruit Holdings sind beide auch sehr aktiv dabei, in HR Startups zu investieren. Dafür haben beide entsprechende „Innovation Funds“ eingerichtet.

 

Der Monster Verkauf: ein erneuter Paradigmenwechsel?

 

Ich denke, das ist der Fall, ja.

Wenn der Pionier der Jobportal-Welt verkauft wird, kann das niemanden so richtig kalt lassen in der Jobbörsen Branche.

Technologiefirmen, die ich in erster Linie für den Kauf von Jobportalen prädestiniert gehalten hatte, kaufen keine Jobbörsen. Nun ja, vielleicht mal von Microsoft und LinkedIn abgesehen, wobei LinkedIn eine eher „spezielle“ Jobbörse mit Netzwerk Charakter ist.

Nein, es sind die großen Personaldienstleister, die sich für die Stellenanzeigen Marktplätze und neuere HR Technologien interessieren.

Das macht ja auch vollkommen Sinn!

Ich bin sehr gespannt, wie es am Markt und wie es für Monster weitergehen wird. Das wird mit Sicherheit ein Präzedenzfall für andere Übernahmen in diesem Bereich.

Denn den einen oder anderen Kandidaten kann ich mir hier schon noch vorstellen…