Neue HR Startups braucht das Land – jedes Land – aber warum?

Startups im Allgemeinen und HR Startups im Speziellen sind seit einigen Jahren in fast aller Munde. Diese „kleinen“, manchmal rasant wachsenden Unternehmen haben in der Vergangenheit  manch neuen Trend gesetzt und unsere (Internet-) Verbraucherhaltung tiefgreifend beeinflusst und verändert.

Hier denke ich vor allem an XING, LinkedIn oder gar Facebook, Twitter, WhatsApp und Instagram, welche unser heutiges Kommunikationsverhalten, unseren Informationskonsum und Kontaktanbahnung geprägt haben. Aber auch Dienste wie Google, amazon, Skype, ebay, Airbnb oder Uber sind beziehungsweise waren einmal Startups.

Inwiefern diese neuen Kommunikationskanäle und Online Dienste für unser tatsächliches (Zusammen-) Leben sinnvoll und gut sind, bleibt natürlich ein streitbares Thema. Darauf möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht eingehen.

Die spannendere Frage ist meines Erachtens, warum in den letzten Jahren immer mehr Startups entstanden sind. Welche Gründe gibt es, ein Startup zu gründen? Wozu dienen sie? Was ist ihr Nutzen, und warum scheitern so viele davon?

Die HR Branche hat in Bezug auf HR Startups eine „Nachzüglerposition“: Viele HR Startups sind meines Wissens erst in den vergangenen 3-5 Jahren gegründet worden.

Auch auf diese Gründe lohnt es sich, einen Blick zu werfen. Und genau das möchte ich in diesem Artikel tun, bevor ich in den nächsten Monaten wieder mehr über HR Startups berichten werde.

Eines erscheint sicher: die HR Branche braucht neue und bestehende Startups. Warum? Auch das möchte ich im Folgenden beleuchten.

Was ist ein Startup? Definition

Zunächst die allgemeine Definition von „Startup“:

Eine kurze und prägnante Definition liefert uns z.B. Steve Blank in seinem ins Deutsche übersetzte Buch „The Startup Owner’s Manual

Ein Startup ist nicht einfach die kleinere Version eines großen Unternehmens. Stattdessen handelt es sich um eine temporär existierende Organisation auf der Suche nach einem skalierbaren, nachhaltigen, profitablen Geschäftsmodell.

Bei wikipedia steht:

Ein Startup, auch Startup-Unternehmen oder Start-up-Unternehmen (von englisch to start up = „gründen, in Gang setzen“) ist eine Unternehmensgründung mit einer innovativen Geschäftsidee und hohem Wachstums­potenzial. Der Begriff ist wirtschaftsgeschichtlich recht neu.

Die Finanzierung wird dabei häufig wegen der hohen Risiken nicht über klassische Banken organisiert, sondern über Förderbanken und innovative Finanzierungsformen wie Wagniskapital und Crowdfunding.

Oft haben die Startups es dabei mit einem jungen oder noch nicht existierenden Markt zu tun und müssen erst ein funktionierendes, skalierbares Geschäftsmodell finden. Haben sie dieses gefunden und etabliert, gelten sie allgemein nicht mehr als Startup. Ehemalige Startups bewahren sich mitunter die erfolgreichen Ansätze von Startups (wie Innovationsfähigkeit, Flexibilität, Modernität, flache Hierarchien), fördern sie durch Inkubatoren, gründen bzw. gliedern eigene Sparten als Startups aus (sogenannte Spinoffs), oder übernehmen Startups durch Zukäufe.

Wer es noch ein wenig „hipper“ möchte, liest bei Gründerszene das:

Der englische Begriff „Startup“ beschreibt eine kürzlich gegründete Firma, die sich in der ersten Phase des Lebenszyklus eines Unternehmens befindet. Denkt man an ein Startup, existiert bei vielen das klischeehafte Bild von potenziellen Gründern, die ihre Ideen während Nachtschichten in unauffälligen Garagen entwickeln, um sie anschließend auf den Markt zu bringen. Doch auch wenn diese Vorstellung etwas klischeehaft ist, steckt in ihr viel Wahres – denn am Anfang eines erfolgreichen Startups stehen fast immer eine innovative Idee und geringe finanzielle Ressourcen.

Entstehung und Nutzen von (HR) Startups

Daniel Bartels schreibt zu Anfang seiner Bachelor Thesis:

Der Begriff Startup wird ausgehend vom Silicon Valley in den USA Anfang der neunziger Jahre für Unternehmensneugründungen vor allem im Bereich Internet, Multimedia und Telekommunikation verstanden, die meist mit Hilfe von Risikokapitalgebern zustande kommen.

 

Gründe für die Gründung: Warum entstehen eigentlich Startups?

HRStartup-coffeeEiner der wichtigsten Gründe für den Launch von Startups ist die zunehmende Technologisierung und Digitalisierung, seitdem die Nutzung des Internets in den 1990er Jahren zunehmend demokratisiert worden ist. Auch wenn Startups nicht zwingend im technologischen Bereich angesiedelt sind, so spielt das Internet dennoch jeweils eine bedeutende Rolle.

Darüber hinaus sind Motivationen und Antreiber für eine Startup Gründung häufig der „Wunsch nach Autonomie und nach finanzieller Unabhängigkeit und das Bedürfnis, etwas Neues, Eigenes aufzubauen.“ [wikipedia]

 

Sinn und Zweck von Startups: Was ist ihr Nutzen?

Immer wieder lesen wir vom Scheitern von Startups. Tippt man bei Google das Stichwort „Startups“ ein, so erscheinen schon bald in der automatisch angezeigten Suchliste, die auf der Häufigkeit der getätigten Suchanfragen basiert, gesuchte Phrasen rund um das Thema „Scheitern von Startups“. Forschungen belegen, dass im Schnitt lediglich 10 Prozent der Startup Gründungen zu einem erfolgreichen Unternehmen heranwachsen.

Wozu also der ganze Aufwand?

In erster Linie geht es darum, eine Idee in die Tat umzusetzen und daraus ein möglichst skalierbares Geschäftsmodell zu entwickeln. In letzter Konsequenz soll das Unternehmen scließlich gewinnbringend verkauft werden. Ein konkreter Handlungsanlass ist also im Sinne der Effectuation Logik gegeben.

In unseren turbulenten Zeiten technologischer Schnelllebigkeit, zunehmender Arbeitsplatzunsicherheit und Zukunftsungewissheit (hier sei nochmals auf meinen Beitrag zur Logik der Effectuation hingewiesen) erscheint es verständlich, dass zumeist junge Unternehmer das Heft in die eigene Hand nehmen und ihre „Unternehmens-Schnellboote“ – also Startups – zu Wasser lassen.

Den Nutzen von Startups sehe ich vor allem darin, (technologische und digitale) Innovationen voranzutreiben, Märkte und bestehende Unternehmensmuster kritisch zu hinterfragen, zu überdenken und neue Lösungen für „alte“ Probleme zu finden. Das sind meiner Meinung nach der wahre Mehrwert, Chancen und Nutzen von Startups im Allgemeinen und HR Startups im Besonderen.

 

Wozu HR Startups?

Das Personalwesen gilt hierzulande häufig als wenig technologiegetrieben, etwas zu sehr dem „Verwalterischen“ verhaftet und teilweise wenig positiv eingestellt gegenüber digitalem Wandel.

Dabei kommt HR gerade in der Digitalisierung und im so genannten „Change Management“ eine Schlüsselrolle zu: Digitale Veränderung, so betont zum Beispiel agile Coach und Organisationsentwicklerin Birgit Mallow, mit der ich zusammen das Seminar agileHR organisiere, muss von HR befürwortet und kompetent begleitet werden.

HR Startups sind in den vergangenen 3-5 Jahren vermehrt aus dem Boden gesprossen. Das werte ich unter anderem als Zeichen dafür, dass die HR Branche reif für die Digitalisierung ist: Denn nur dort, wo unternehmerische Talente Wachstumsboden vermuten, siedeln sie ihre Innovationen gezielt an.

Dass sie damit Recht haben, zeigt sich unter anderem auch daran, dass die Investoren zunehmend in HR Startups investiert haben: HR Startups haben weltweit nach meinen Recherchen im Jahre 2015 mehr als 2,1 Mrd USD Investment zusammengetragen. 2016, so berichtete CBInsights, sollte diese Summe noch getoppt werden. 2017 sah das Bild ähnlich aus.

Wir können schließlich auch daran erkennen, dass „HR Tech“ zu einem der ganz heißen Themen geworden ist, weil Giganten wie Facebook und Google den HR Markt betreten. Damit machen sie nicht nur traditionellen Jobbörsen und Jobsuchmaschinen ihre Umsatzquellen strittig, sondern positionieren sich auch generell in HR Tech. Man denke da auch an „Google Hire“ .

agileHR-Scrum-Kanban-teams-agilecoaching-450Schließlich bemerke ich bei versierten HR Managern, HR Tech Anbietern und Softwareentwicklern ein wachsendes Interesse an HR Events (zum Beispiel der HR Hackathon oder auch der immer größer werdende HR Tech Congress, der sich inzwischen „Unleash“ nennt), die sich gezielt mit Innovationsdenken,  Digitalisierung und modernen, „agilen“ Arbeitsmethoden befassen.

HR Startups unterstützen HR, indem sie ihnen frisches Denken, neue Arbeitsmethoden und Werkzeuge liefern. Diese Werkzeuge erscheinen vielleicht nicht immer auf den ersten Blick sinnvoll oder zweckgebunden. Aber sie zeigen, wo die Reise hingeht, und dass es sich lohnt, sich mit der Thematik anhand von anderen Ansätzen neu auseinanderzusetzen.

In dem Zusammenhang eine Weisheit, die Albert Einstein zugeschrieben wird:

Es grenzt an Wahnsinn, immer das Gleiche zu tun und dabei ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Zudem setzen Startups auf stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit mit Partnern, um an ihre unmittelbaren Ziele zu gelangen. Transparenz und Kommunikation sind besonders relevant.

Fazit: Warum HR Startups braucht

Die HR Branche benötigt frischen Wind und „disruptive“ Ideen und Werkzeuge. Nur so können die bisherigen Denkmuster erschüttert, aufgebrochen und umgewälzt werden. Veränderung kann nur dann stattfinden, wenn sich ein System und eine Denkweise komplett in Frage stellen (s. auch Einstein Zitat weiter oben).

Notebook mockupDie jungen Unternehmer, die einerseits vielleicht keine Lust mehr auf feste Hierarchien haben und andererseits auch keinen sicheren Job mehr bekommen – das gilt ja vor allem für Länder, in denen die Arbeitslosigkeit unter jungen Arbeitnehmern erhöht ist – schaffen sich ihre eigenen Arbeitsplätze. Sie bringen dabei ihre unkonventionellen Ideen mit ein und wagen das Risiko zu scheitern.

Für das Personalwesen sind sowohl (HR) Startups als auch deren Art und Weise, Probleme mit neuen Augen und digitalen Mitteln anzugehen, eine einmalige Chance, etwas Neues zu schaffen und einen wertvollen Beitrag für die gesamte Arbeitswelt zu leisten.

Wenn auch Sie einmal erleben und erarbeiten möchten, was es bedeutet, agil und damit beinahe wie in einem Startup zu arbeiten, dann sehen Sie sich unser Seminar mit Birgit Mallow an:

Infos agileHR Seminar