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„Recruiter verlieren zu viel Zeit bei der Bewerberauswahl“

 

Vor kurzem habe ich einen Beitrag auf haufe.de gelesen: „Recruiter verlieren zu viel Zeit bei der Bewerberauswahl“. Der Titel hat mich neugierig gemacht. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, was „Zeit“ überhaupt ist, wie viel Zeit eigentlich zu viel Zeit ist, und woran wir festmachen, dass dem so ist.

Was ist „Zeit“?

 

Auf wikipedia ist Folgendes zu lesen:

Die Zeit ist eine physikalische Größenart und beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. […]

Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend.

Hier fällt mir zweierlei auf:

Zeit schreitet immer in eine Richtung (bildlich gesehen „nach vorne“, also in die Zukunft), und die Abfolge der geschehenen Ereignisse ist unumkehrbar.

Mit anderen Worten: Wenn etwas geschehen ist, dann ist es unwiderruflich vorbei. Zurückgehen ist unmöglich.

Von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft

 

Weiter auf Wikipedia heißt es:

Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das Fließen der Zeit bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klären.

Die „Gegenwart“ ist demnach ein seltsames Gebilde, das, sobald es da ist, auch schon wieder vorbei ist. Man spricht meistens auch von einer Dauer von ca. 4-5 Sekunden, welche einen gegenwärtigen Augenblick beschreiben.

Irgendwie anstrengend, oder?

Aber so ist es, und wir können es nicht ändern.

 

Albert Einstein, der Entdecker der Relativitätstheorie, soll einmal gesagt haben:

Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.

Auch wahr!

Zeit, das (fast) kostbarste Gut

 

In unseren heutigen Zeiten ist Zeit Geld. Zeit ist kostbar, wertvoll, ein höchst seltenes Gut.

Niemand hat davon wirklich viel, und meistens hetzen wir von einem Termin und einem Augenblick zum anderen. Am Ende des Tages wissen wir dann schon gar nicht mehr, wo die Zeit geblieben ist oder was wir mit ihr gemacht haben.

Dabei soll alles noch schneller gehen, damit wir alle noch produktiver werden, noch effektiver, noch wettbewerbsfähiger, noch optimaler, höher, weiter, …

 

Dem alten römischen Philosophen wird zu seiner Zeit (ca. 65 n. Chr.) dieses Zitat zugeschrieben:

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Das erscheint mir heute sehr aktuell, wo wir uns entscheiden müssen, wie wir mit der sich immer schneller drehenden Welt umgehen und damit im Alltag klarkommen.

Lassen wir uns hetzen, zeitlich unter Druck setzen, vergeuden wir unsere wertvolle Zeit mit unnützen Dingen oder nehmen wir uns dort, wo es nötig ist, die Zeit, die es braucht?

Welchen Lebensbereichen messen wir „Qualitätszeit“ zu, und wo vertrödeln wir diese?

Was ist zu viel Zeit?

 

Das bringt mich zurück zu dem Haufe Beitrag, in dem von „zu viel Zeit“ die Rede ist, die Recruiter bei der Bewerberauswahl brauchen. Genauere Zeitangaben dazu, wie viel Zeit zu viel Zeit ist, fehlen allerdings.

Es wird von „späten Rückmeldungen“, „zu langen Bewerbungsprozessen“ und „verzögerten Entscheidungsfindungen“ geschrieben. Was das konkret oder im Einzelnen bedeutet, steht dort nicht.

Damit möchte ich keineswegs die Ergebnisse der Robert Half Befragung von 1.000 Arbeitnehmern oder den Artikel auf Haufe.de kritisieren. Es ist meiner Meinung nach unmöglich, in Zahlen auszudrücken, für wen wie viel Zeit zu viel oder zu wenig Zeit ist.

Ich denke, Zeitgefühl ist vor allem subjektiv, denn jeder Mensch wird „zu viel Zeit“ anders interpretieren. Da spielen ja auch so Dinge wie Geduld, warten und Spannung aushalten können mit eine Rolle.

Sprüche wie „Gut Ding will Weile haben“ oder auch „Kommt Zeit, kommt Rat“ haben gerade in unseren Zeiten, in denen wir häufig viel zu schnell und oft auch wenig reflektiert reagieren – zum Beispiel mit überschnellen Instant Messenger Antworten oder zu schnell zurückgeschossenen E-Mail Antworten – ihre Dringlichkeit.

Meistens ist es gut, bestimmte Reaktionen und Entscheidungen etwas reifen zu lassen.

Das gilt sowohl für Bewerber als auch für Recruiter. Ein Jobwechsel oder eine Einstellung sind keine Entscheidungen, die wir auf die leichte Schulter nehmen sollten.

Dass es immer wieder Menschen gibt, denen ein Prozess zu langwierig erscheint und sie sich dann enttäuscht (oder wütend?) abwenden, das ist ganz klar. Vielleicht muss es bei dem einen Bewerber auch schneller gehen, weil er dringend eine neue Stelle braucht – aus welchen Gründen auch immer.

Und es ist fraglich, ob sich ein Unternehmen einen Gefallen tut, halbherzig jemanden einzustellen, weil die gesamte Abteilung wegen mangelndem Personal unter der Arbeitslast zusammenzubrechen droht. Der Mangel an Personal besteht in diesem Fall wahrscheinlich auch schon etwas länger, sodass die Belegschaft mit Sicherheit bereits auf den letzten Löchern pfeift, bis denn schließlich die Recruiting-Maschine angeworfen wird.

Fazit

 

Alles in allem wird die Frage nach zu viel oder zu wenig Zeit bei der Bewerberauswahl kaum zu beantworten sein.

Das muss jedes Unternehmen für sich selbst finden – und das benötigt wiederum auch Zeit.

Ich erinnere mich, wie mir jemand kürzlich sagte, was Konrad Adenauer seinem Fahrer zu sagen pflegte:

Fahren Sie langsam, ich habe es eilig!