David und Goliath

 

Was ich nicht so alles lese, wenn der liebe Tag lang ist: kununu, Arbeitgeber Bewertungsplattform aus Österreich für den DACH-Markt, und die US-amerikanische Jobbörse Monster planen – sobald die Kartellbehörden den Deal freigeben – ein Joint Venture in den USA!

Ja, endlich zeigt eine Internetfirma aus Europa den Amis, wie man einen Markteintritt in fremde Gefilde meisterlich meistert! Zudem werden sich beide Parteien dank einer starken Partnerschaft vor Ort, Monster.com, mit Sicherheit prächtig entwickeln!

 

Ok, Spaß beiseite.

 

Lasst uns dieses Joint Venture mit Sitz in Boston, einige Zahlen und Fakten sowie mögliche Hinter- und Beweggründe dafür genauer ansehen.

 

Das Joint Venture

 

In der offiziellen Pressemitteilung steht Folgendes:

kununu, die führende Arbeitgeberbewertungs- und Employer Branding-Plattform in Europa, sondiert gemeinsam mit Monster, einem international führenden Angebot für Jobsuchende, die Erfolgschancen von kununu in den USA. Die beiden Partner werden in das vereinbarte Joint Venture ihre Expertise und Stärke in den Bereichen Arbeitgeber-Bewertung, Employer Branding und Online-Stellenmarkt einbringen.

 

Ich gehe davon aus, dass kununu / XING ihre Hausaufgaben gemacht haben, um die Aussage „führende Arbeitgeberbewertungs- und Employer Branding-Plattform in Europa“ so stehen lassen zu können. Immerhin gibt es neben Deutschland, Österreich und der Schweiz noch einige andere Länder in Europa mit Arbeitgeber Bewertungsplattformen.

 

kununu, 100 prozentige Tochter von XING seit drei Jahren, hegt Expansionsgedanken in die USA.

Klar, immerhin hat das dortige kununu Pendant, Glassdoor, erst Ende 2014 die Fühler nach Europa und im vergangenen Jahr nach Deutschland, ausgestreckt. Irgendwie ist mir seit dem leicht verpatzten Glassdoor Start nicht mehr so viel zu Ohren gekommen außer regelmäßigen Pressemitteilungen zu den Top 10 bewerteten Unternehmen in Deutschland.

 

Ergo, dreht man den Spieß um und wagt sich auf das Terrain des anderen grünen Freundes (schon aufgefallen, dass beide Plattformen ein ähnliches Grün verwenden?):

So plant kununu jetzt eine Zusammenarbeit mit der international führenden Jobplattform Monster für den US-amerikanischen Markt. Entsprechend der kununu Vision soll die US-Plattform durch Arbeitgeber-Bewertungen von (Ex-)Mitarbeitern mehr Transparenz auch am US-Arbeitsmarkt schaffen. Für das US-Angebot wird die Expertise von kununu in den Bereichen Arbeitgeber-Bewertung und Employer Branding mit dem Markt-Know-how, der Marketing-Expertise und der Reichweite von Monster verbunden.

 

Weiter:

Moritz Kothe, als Senior Vice President bei XING unter anderem für kununu verantwortlich und gleichzeitig Chairman of the Board und CEO des neuen US-Joint Ventures: „kununu gehört zu den Pionieren für mehr Transparenz am Arbeitsmarkt und ist heute die führende Plattform für Arbeitgeber-Bewertungen und Employer Branding in Europa. Es ist ein spannendes Projekt, die inhaltliche und technische Kompetenz von kununu mit der Marktkompetenz und der Marketing- und Saleskraft von Monster zusammenzuführen und hieraus ein unabhängiges und dringend benötigtes neues Angebot für den US-amerikanischen Markt zu entwickeln. kununu soll auch im Rahmen des US-Joint Ventures als eigenständige Arbeitgeber-Bewertungsplattform agieren. Durch die Zusammenarbeit mit Monster können wir Usern zudem hilfreiche Arbeitgeber-Bewertungen direkt bei der Jobsuche bieten.“

 

Das erinnert mich stark an die Jobs und Firmenprofile auf XING, welche stets die kununu Bewertungen, soweit vorhanden, ausweisen.

Allerdings bietet Glassdoor in den USA genau den gleichen Service und fungiert immer mehr als eigenständiges Jobportal mit Job Postings und Employer Branding Solutions im Angebot.

Die SalesPower und Markenbekanntheit von Monster und das technische Know-how samt Employer Branding Produkte sollen also der gegenseitigen Produkt-Aufwertung, kununu’s (und auch XING’s natürlich) Expansionsideen in den USA zu gute kommen.

 

Glassdoor und kununu: Zahlen und Daten

 

Zeit, uns mehr mit einigen Metriken der beiden Arbeitgeber Bewertungsportale auseinanderzusetzen.

Similarweb hält hier viel Spannendes für das statistik-geübte Auge bereit:

 

Globales Ranking für kununu

 

kununus globaler Rang laut Similarweb

kununus globaler Rang laut Similarweb

 

Globales Ranking für Glassdoor

 

Glassdoor globaler Rang nach Similarweb

Glassdoor globaler Rang nach Similarweb

 

Noch einiges zu tun für den Challenger aus Europa, um Glassdoor auf dem Heimatmarkt zum Erzittern zu bringen.

Denn auch die Traffic Zahlen sollten sich schleunigst erhöhen:

 

Traffic weltweit kununu

 

kununu Traffic weltweit nach Similarweb: 2 Mio Visits im Januar mit Hauptmarkt Deutschland

kununu Traffic weltweit nach Similarweb: 2 Mio Visits im Januar mit Hauptmarkt Deutschland

 

Traffic weltweit Glassdoor

 

Weltweite Besucherzahlen von Glassdoor. Stärkster Markt natürlich: USA

Weltweite Besucherzahlen von Glassdoor: knapp 44 Mio Visits im Januar 2016. Stärkster Markt natürlich: USA

 

Traffic Monster.com

 

Um das Zahlen-Daten Bild zu vervollständigen, müssen wir natürlich auch die Monster.com Besucherzahlen ansehen:

 

Monster.com Besucherzahlen laut Similarweb. Januar 2016: 32,7 Mio Visits

Monster.com Besucherzahlen laut Similarweb. Januar 2016: 32,7 Mio Visits

 

Wir sehen, dass die beiden Traffic Zahlen von kununu und Monster.com, selbst kumuliert, noch nicht an die Glassdoor.com Zahlen heranreichen.

Zumal, das erkennt Ihr, wenn Ihr die Similarweb Kategorie „Referrals“ bei Monster.com genauer betrachtet, ein größerer Teil des Monster Traffics aus (bezahlten) Reichweiten-Lieferanten besteht als der Traffic bei Glassdoor es tut.

 

Gedankenlabor: Warum tun kununu und Monster.com das?

 

Meine erste Reaktion, als ich die Überschrift der Pressemeldung gestern in meinem Postfach sah, war: Was soll das denn?

Etwas später fragte ich mich, weshalb man diese Kooperation denn gleich in diesem Riesenmarkt USA – von dessen Komplexität mal ganz abgesehen – anleierte, ohne sie auf einem kleineren Markt zu testen. Ok, ich habe nicht nachgeprüft, ob kununu / XING Tests in anderen Märkten diesbezüglich gefahren haben. Meiner Einschätzung nach ist da aber anderswo vorher nichts gelaufen.

Das wäre ja auch so gut wie gar nicht möglich. Ich meine, immerhin ist XING im interessanten DACH-Markt selbst sowohl mit einer Jobbörse als auch mit einer Jobsuchmaschine am Start. Dem Kauf von Jobbörse.com (immer noch ein sehr verwirrender Name für eine Jobsuchmaschine…) sei Dank erfreut sich das XING Jobportal einer breiten Masse an auffindbaren Jobs, auch wenn anfangs nicht immer alles rund lief (ich entdecke übrigens nach wie vor einige „Blindgänger“).

Also war ein Test mit den Monsters aus Deutschland mit kununu wohl nicht möglich.

 

In den USA, wo man als kununu-XING-Monster.com sowohl Glassdoor und LinkedIn ein wenig auf die Zehen treten kann, scheint das natürlich etwas anderes zu sein.

Für kununu und XING also ein Schritt Richtung Weltherrschaft USA.

 

Aber was hat Monster.com davon?

Nun ja, leider gibt es nach den seit Quartal über Quartal hinweg schlechten finanziellen Ergebnissen wohl eine gewisse Panik, um die Kunden mit neuen Produkten zu locken und Anleger zu beruhigen.

War in vielen Monster Earnings Calls die Rede davon, dass die Angebotslage bezüglich der neuen Monster Produkte zumindest in den USA (ich warte übrigens nach wie vor auf die Einführung des Jobsuchmaschinen Modells in Europa, vor allem Deutschland) sehr rosig aussah, schienen sich diese Deals wohl nicht in ausreichendem Maße in bare Münze verwandeln.

Einige Analysten, die in der Monster Aktie lange Zeit Potenzial sahen, sprechen nun davon, sich geirrt zu haben.

Die letzten Zahlen waren – trotz profitablen Zahlen – nicht überzeugend für das Parkett, und der Kurs sank.

Laut Staffing Industry ist Monster Worldwide nach diesen Zahlen knapp 390 Millionen USD wert!

 

Auch LinkedIns Kurs gab bei Bekanntgabe der eigentlich akzeptablen 2015 Zahlen nach, da sie ihr Umsatzziel für 2016 etwas nach unten korrigiert hatten. Das sieht man als Anleger natürlich ungern – aber wer weiß, was LinkedIn für dieses Jahr plant?

 

Wahrscheinlich keine Einführung einer Arbeitgeber Bewertungsplattform – irgendwie passt das nicht zu LinkedIn.

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