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Die Zukunft Personal ist schon wieder Vergangenheit, aber die Neuigkeiten und dort entdeckten Trends machen nach wie vor die Online-Runde. Eine Zusammenfassung einiger Entdeckungen habe ich für die französischen Bloggerkollegen von LinkHumans hier geschrieben. LinkHumans veranstalten in 14 Tagen ebenfalls die Social Media und mobile Recruiting Konferenz und #TruParis, über die ich im Nachgang berichten werde.

Was gibt es also noch weiter von der Zukunft Personal 2013 zu erzählen. Eines der Schlagworte (im wahrsten Sinne des Wortes wurde man wirklich fast damit erschlagen) in Köln war „Active Sourcing„. Vieles war von diesem neuen Trend (ich behaupte nach wie vor, dass dieses Thema etwas hochgekocht wird – dazu später mehr) geprägt und vermeintliche HR-Trendscouts schrien das Modewort von allen Dächern. Es ist auch durchaus etwas dran am Thema Active Sourcing und seiner Wichtigkeit im modernen und innovativen Recruiting.

Zunächst stellen sich viele bekannte und unbekannte Anbieter der Online-Recruiting Branche auf den neuen Trend ein – übrigens nicht nur in Deutschland – und präsentieren fleißig neue Produkte: Die Zukunft Personal ist dafür natürlich am besten geeignet.

  • So startete XING pünktlich zur Messe die überarbeitete Fassung seines XTM Talentmanagers
  • Ein technologischer Teil des erneuerten XTM wird überdies mit Textkernels Parsing-Technologie betrieben, die Stellenangebote in den XTM einliest, die Informationen extrahiert und schon gleich mit der Suche nach passenden Kandidaten beginnt.
  • StepStone hat seine Lebenslaufdatenbank DirectSearch gelauncht. Eine praktische mobile Recruiting App dafür ist in Bearbeitung – mehr dazu demnächst hier.
  • stellenanzeigen.de und Experteer gaben ihre Kooperation bekannt: stellenanzeigen.de-Kunden können zu ihren Anzeigenschaltungen die Nutzung der Experteer Lebenslaufdatenbank (und darin gibt’s den einen oder anderen sehr High Executive) hinzubuchen zu einem interessanten Paketpreis. Die Frage ist natürlich, weshalb sich gerade diese beiden Player zusammentun. „Man muss ja nicht immer gegeneinander im Markt arbeiten, sondern auch als Wettbewerber seine besten Produkte zusammen anbieten“, verriet mir Dr. Peter Langbauer, einer der beiden stellenanzeigen.de Geschäftsführer bei meinem Besuch in München letzte Woche. Weise Entscheidung!
  • Bei der ganzen Active Sourcing Produktschau hat mir jedoch am ehesten das Produkt von Textkernel zugesagt. Nichts gegen die vielen anderen Produkte am Markt, die für bestimmte Recruitingansätze vollkommen geeignet sind. Bei Textkernel – wobei dieser Anbieter mit seiner Technologie nicht allein sein wird – ist es jedoch möglich, nicht nur ein bestimmtes Social Network oder eine spezifische Lebenslaufdatenbank zu durchforsten, sondern gleich mehrere auf einmal. Nämlich all diejenigen, die an das System angeschlossen sind. Das gibt eine ordentliche Such-Power.

Weitere Produkte zum Thema Active Sourcing werden nicht auf sich warten lassen. Schon bald wird es etwas aus einem deutschen Nachbarland zu berichten geben – natürlich mehr dazu demnächst auch hier auf dem Blog. Die generelle Frage ist und wird bleiben, ob Active Sourcing tatsächlich bei Otto-Normal-Recruiter ankommen wird.

Ich bin skeptisch. Active Sourcing eignet sich für Personalberater und -dienstleister, Headhunter und Recruiting-Abteilungen großer Unternehmen, die während und nach dem Social Media Recruiting Hype verstanden haben, dass soziale Netzwerke geniale Lebenslaufdatenbanken für quasi lau sind. Die schöne Facebook Karriereseite mit den authentischen Bildchen und Mitarbeiter Statements hat sich in vielen Unternehmen nicht durchsetzen können bzw. nur für wenige Einstellungen gesorgt, was den Aufwand nicht rechnete. Experten sagen, Social Media wären nun dem Hype entwachsen und hätten sich im Recruiting-Mix etabliert. Ich gehe ehrlich gesagt eher davon aus, dass sich eine gewisse Social Media Ernüchterung breit gemacht hat.

Und dann kommt Active Sourcing daher als Phönix aus der Asche, die wiedergeborene und umgetaufte „Lebenslaufdatenbank Recherche“ und „Direktansprache“. Eigentlich ja schon uralt und sowas von Recruiting 1.0, dass die gestandenen Social Media Gurus nach dem nächstbesten englischen Begriff suchen, um das Thema salon- und messefähig zu machen. Und dabei hat man sogar einen Fehler gemacht, denn im Englischen spricht man nicht von „Active“, sondern von „Direct Sourcing“! Eine Google-Suche nach Active Sourcing liefert rein deutschsprachige Ergebnisse.

Das „Traurige“ an Active Direct Sourcing ist zudem, dass diese Disziplin laut des aktuellen CareerXroads Source of Hire Report in den USA nur für circa 6,8% der Neueinstellungen verantwortlich ist – gefallen von 9,1% in 2012. Die USA sind recruitingtechnisch gesehen so etwas wie das Mekka der Online Recruiting Trends und generell für neue Recruiting-Praktiken zu haben. Die meisten Einstellungen werden über Emfehlungen, die eigene Website (wobei ich das Ergebnis wie immer bezweifle) und Jobbörsen getätigt. Sieh mal einer guck!

Man sollte nichts schwarzmalen, nicht jeder Studie uneingeschränkt Glauben schenken oder gar behaupten, dass Active Direct Sourcing zu keinen guten Ergebnissen führt. Ich denke, es ist wichtig, die möglichen Werkzeuge und Social Media zur Kandidatenansprache und zur Kontaktanbahnung zu nutzen – und wenn, dann bitte richtig und nicht nach dem Gießkannenprinzip. Personalabteilungen müssen sich jedoch vor Augen führen, dass das aktive Sourcen sehr zeitaufwendig ist und nicht innerhalb von wenigen Stunden zwingend zu irgendeinem Ergebnis führt. Diese „Job-Beziehungen“ mit potenziellen Kandidaten müssen langfristig angelegt und begleitet werden.

Im Prinzip ist nichts Neues daran: Es handelt sich hier um eine klassische Direktansprache (noch nicht einmal 1.0!). Was wirklich neu ist, und das ist der tatsächliche Trend, das sind die technologischen Möglichkeiten und Werkzeuge, die eine solche Kontaktanbahnung theoretisch erleichtern.

Vor kurzem las ich von einem erprobten Online Recruiting Manager: „Active Sourcing ist etwas für Recruiter, die tatsächlich Zeit haben, sich in die Recruiting-Thematik bei Netzwerken wie LinkedIn, XING & Co. einzuarbeiten.“ Und wer hat das schon bzw. nimmt sich diese effektiv? Eventuell wird es der Fachkräftemangel letzten Endes erfordern, aber dieser ist ja schon längst im Gange.